Die geometrischen und archaischen Gefäße aus dem Heiligtum der Artemis Hemera in Lousoi (Peloponnes) werden mit petrografischen und geochemischen Methoden untersucht, um die Produktionsorte und die Herstellungstechniken, nach denen sich verschiedene Werkstätten unterscheiden lassen, herauszufinden. Durch die Bestimmung der Herkunft der Gefäße kann die regionale und überregionale Ausstrahlungskraft des Heiligtums rekonstruiert werden.

Ziele und Untersuchungsmethoden

In diesem Projekt werden vor allem petrografische und wellenlängendispersive Röntgenfluoreszenz-Analysen angewandt. Zusammenarbeit und wissenschaftlicher Austausch mit anderen archäometrischen Projekten auf der nördlichen Peloponnes und am Golf von Korinth sollen helfen, eine umfangreiche petrografische und geochemische Vergleichsdatenbank aufzubauen, mit deren Hilfe es möglich wird, regionale Austauschnetze zu rekonstruieren. Repräsentative Keramikproben werden anhand allgemeiner, mikroskopisch sichtbarer Merkmale der Tonmatrix und der Einschlüsse ausgewählt, die sich mit zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden (pXRF und optisches Mikroskop) bestimmen lassen. Für die Definition einer lokalen Referenzgruppe werden auch geologische Proben und hellenistische Baumaterialien (z. B. Dachziegel) sowie Fehlbrände herangezogen.

Neben Herkunftsfragen können archäometrische Untersuchungen technologische Aspekte wie die Tonmassenaufbereitung, Formungsprozesse, Oberflächenbehandlung und Brennvorgänge beleuchten. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich jene Gefäße, die nur in rituellen Kontexten auftreten, von dem sonstigen Keramikinventar technologisch unterscheiden.

Chronologische und geografische Erweiterung

Das Projekt wird sowohl auf geografischer als auch auf chronologischer Ebene erweitert werden. Gleichaltrige Assemblagen aus anderen Fundorten des nördlichen Peloponnes wie Ano Mazaraki, Nikoleika, Skepasto, Psophis und Soudeneika werden ebenfalls analysiert, um eine umfassendere Rekonstruktion des regionalen und überregionalen Netzwerks des Heiligtums zu erhalten. Darüber hinaus werden die Materialien aus der achäischen Kolonie Metapontion in Süditalien untersucht, um deren Beziehungen zu den nordpeloponnesischen Fundstellen im Hinblick auf Keramikimporte und den Transfer von Töpfertechnologie zu erforschen. Nicht zuletzt werden petrografische und geochemische Analysen an den späteren Keramikfunden der hellenistischen Polis von Lousoi durchgeführt, um diachrone Veränderungen in den lokalen Versorgungsstrategien und Keramikrezepten sowie Lousois intra- und interregionales Netzwerk zu erfassen.