Die Ostküste des Adriaraumes war sowohl während der griechischen als auch der römischen Zeit von großem strategischem Interesse. Die Region war ein wichtiger Wirtschaftsraum und Handelsknotenpunkt sowie ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen – eine Tatsache, die sich im Keramikspektrum widerspiegelt.

Im Rahmen mehrerer Forschungsaufenthalte zwischen 2018 und 2019 konnte die keramische Evidenz verschiedener Fundorte in Kroatien und Montenegro untersucht werden. Dabei zeigte sich ein großer Anteil an Keramikimporten in dieser Region.

Budva/Montenegro

Der Großteil der autopsierten Keramik kommt aus den Nekropolen von Budva. Für die hellenistische Zeit ist neben Importen aus dem unteritalischen Raum (Gnathia-Ware) speziell auf Reliefbecher und weißgrundige Keramik aus Kleinasien hinzuweisen. Auch in der Kaiserzeit sind vereinzelte ostmediterrane Importe zu beobachten (Eastern Sigillata B, Küchenware), deren Auftreten unter dem generellen Aspekt der ostmediterranen Importe im Adriaraum in zukünftige Projekte einfließen soll.

Mitteldalmatien/Kroatien

Zweiter Untersuchungsschwerpunkt sind Funde aus Mitteldalmatien/Kroatien: Seit 2018 hat das Projekt Trogir Through Time die diachrone und interdisziplinäre Untersuchung des antiken Tragurion/Tragurium und dessen Hinterland zum Inhalt. Die Analyse des keramischen Fundmaterials aus den Grabungen zeigt, dass in römischer und spätantiker Zeit vor allem Importe aus Nordafrika und dem östlichen Mittelmeerraum dominierten. Neben dem hohen Anteil an African Red Slip Ware (ARS) und Eastern Sigillata B (ESB) ist vor allem das gehäufte Auftreten Pontischer Sigillata hervorzuheben, wodurch belegt ist, dass Trogir (Handels-)Kontakte auch zur Schwarzmeerregion unterhielt.

Im Jahr 2019 konnte das keramologische Bild um Funde von der Insel Hvar erweitert werden. Bei dem untersuchten Material aus den Depots des Hvar Heritage Museum und der Grabungsfirma Kantharos d. o. o. handelt es sich um Fundmaterial aus Grabungen von Soline und Hvar sowie aus einem Schiffswrack, dass 1980 in der Nähe von Hvar (Izmetište) geborgen wurde. Auch hier zeigt sich wieder die Dominanz der Importe aus Nordafrika und dem östlichen Mittelmeerraum, sowohl im Feinkeramik- als auch im Amphorenspektrum.

Von besonderem Interesse war die Sichtung ausgewählter Gefäße aus der Schiffsladung. Hier fällt besonders der hohe Anteil an Tellern und Schalen der spätesten ESB-Produktion auf. Diese fanden ungeachtet ihrer im Vergleich zu früheren ESB-Produkten schlechteren Qualität offensichtlich noch einen weiten Verbreitungsradius und zeigen die Beliebtheit der späten Produktionsserie dieses Tafelgeschirrs auch außerhalb des regionalen Absatzgebiets. Bemerkenswert ist außerdem der beachtliche Anteil an sog. Ägäischer Küchenware aus dem Raum Phokaia. Diese Keramikfunde sollen Eingang in gattungsspezifische Studien finden.