Gebäude L liegt direkt östlich vom großen Palast G und wurde am Ende der Übergangsperiode von der Zweiten Zwischenzeit zum frühen Neuen Reich errichtet. Die Bearbeitung der Funde in ihrem archäologischen Kontext soll einerseits Klarheit über die Aktivitäten im Gebäude und andererseits über die chronologische Stellung Erkenntnisse liefern.

Ein wichtiges Ausgrabungsareal liegt westlich von Tell el-Dabʿa, unmittelbar angrenzend an das moderne Dorf ʿEzbet Helmi. Dieser Bereich ist bekannt für den riesigen Palastkomplex, der in der Regierungszeit von Thutmosis III. entstand (ca. 1480–1425 v. Chr.) und in dem ägäische Freskenfragmente gefunden wurden.

In Areal H/VI östlich der großen Plattform des Palastes G aus dem frühen Neuen Reich befindet sich ein großes, vermutlich öffentlich Gebäude, Gebäude L, das in den Jahren 2005–2007 erforscht wurde. Die Interpretation als öffentliches Gebäude wird durch seine Größe (ca. 3.200 m²), den Grundriss und die Verwendung von weißem Verputz über Schlammziegeln nahegelegt. Grundriss und Architektur wurden bereits in Vorberichten durch Manfred Bietak und Irene Forstner-Müller vorgestellt, allerdings müssen die zahlreichen Funde (Keramik, Kleinfunde, Tierknochen) noch bearbeitet und analysiert werden. Um zu verstehen, welche Aktivitäten in den einzelnen Bereichen stattgefunden haben, muss die Verteilung der einzelnen Fundkategorien innerhalb des Grundrisses erarbeitet werden. Mögliche Aktivitäten sind Vorratshaltung, die Verarbeitung von verschiedenen Materialien, eventuell Handwerk, Nahrungsmittelzubereitung sowie Verzehr/Festmähler. Die Dokumentation und Analyse der Keramik hat begonnen und konzentriert sich gegenwärtig auf geschlossene Fundzusammenhänge, wie Bodenablagerungen, um dieses Material als Vergleich für das Projekt »Beyond Politics« verwenden zu können.

Aktuell liegt das Augenmerk auf den Funden der Loci L6370, 6371, 6372, 6373 und 6374. Diese Loci stammen von den Böden und bodennahen Ablagerungen einer Reihe von Räumen in Quadrant H/VI-r/26, pl. 3. Gleich nach der Ausgrabung wurde eine Reihe von fast vollständigen Gefäßen von diesem Fundplatz rekonstruiert, gezeichnet und fotografiert. Nunmehr werden die übrigen Scherben auf anpassende Stücke untersucht. Diese Routine erlaubt Aufschlüsse über die Prozesse der Deponierung dieser Gefäße in den Räumen und in welcher Art sie nach ihrem Zerbrechen verteilt wurden. Die Analyse des Materials schließt das Auflegen aller Fragmente, den Vergleich mit benachbarten Fundzusammenhängen auf Passscherben, die Rekonstruktion von möglichst vielen Gefäßen sowie die zeichnerische, fotografische und statistische Aufnahme ein.

Die Aufnahme umfasst ferner eine Einteilung nach Tonmaterial, Formen und diagnostischen Fragmenten und deren Quantifizierung. Die weniger diagnostischen Wandfragmente werden ebenfalls nach Tonmaterial, Oberflächenbehandlung und wenn erkennbar nach Form (offen/geschlossen) unterteilt und aufgenommen (Zählung, Wiegen). Diese Art der Analyse ermöglicht Aussagen darüber, welche Häufigkeit verschiedene Fundkategorien innerhalb des Gebäudes haben, und erlaubt Rückschlüsse auf die Aktivitäten in diesen Räumen (große Vorratsgefäße – Vorratshaltung, offene Gefäße – Verzehr von Lebensmitteln, Kochgefäße – Küche, Brotformen – Bäckerei etc.). Im Zuge der Aufnahme der Keramik, treten immer wieder andere Funde zu Tag, wie Verputzfragmente und Tierknochen. Beides wird für Spezialist*innen dieser Funde gesammelt.

Projektleitung

Bettina Bader

Laufzeit

seit 2010