Das 7. Jahrhundert n. Chr. ist eine Zeit des Umbruchs, die in Ephesos dank einer beachtlichen Anzahl an Fundkomplexen erforscht werden kann. Insbesondere das spätantik-mittelalterliche Stadtquartier südlich der Marienkirche gewährt einen Einblick in die materielle Kultur des 7. Jahrhunderts, da es in dessen Verlauf durch einen Brand zerstört und abrupt verlassen wurde. 

Topografie und Fundkomplexe

Das 7. Jahrhundert ist in Ephesos durch mittlerweile zahlreiche Fundkomplexe dokumentiert. Mit Ausnahme des sogenannten Lukasgrabes, dem als Pilgerstätte eine Sonderstellung zukommt, ist das Stadtgebiet ab der Oberen Agora im fraglichen Zeitraum weitgehend verlassen. Die Kuretenstraße und das Hanghaus 2 sind in diesem Jahrhundert Teile eines vorstädtischen Handwerkerquartiers, das Stadtzentrum liegt im Nordwesten der römischen Stadt. Fundkomplexe des 7. Jahrhunderts liegen aus dem Theater, dem Vediusgymnasium, dem sogenannten Byzantinischen Palast und der Marienkirche vor. Südlich derselben liegt das besonders bedeutsame spätantik-mittelalterliche Stadtquartier, das in der zweiten Jahrhunderthälfte durch einen Brand zerstört und überstürzt verlassen wurde. Mobiliar, Alltagsgegenstände und prachtvolle Ausstattungselemente wurden zurückgelassen und gewähren einen einzigartigen Einblick in die materielle Kultur des 7. Jahrhunderts n. Chr.

Die materielle Kultur

Die kontextuelle Auswertung aller Fundgattungen ermöglicht eine umfassende und wohl für ganz Ephesos exemplarische Rekonstruktion des Alltagslebens der Oberschicht im 7. Jahrhundert. Das Feinkeramik- und Glasgefäßspektrum, aber auch die im spätantik-mittelalterlichen Stadtquartier zuletzt verwendeten Amphoren sowie die Küchenware und die Gebrauchskeramik bezeugen Speise- und Trinksitten, Kochgewohnheiten, aber auch Handelsaktivitäten und das Konsumverhalten einer vermutlich adeligen ephesischen Familie. Besonderes Interesse verdienen außerdem Fundensembles, die Rückschlüsse auf die Funktionen der einzelnen Räume gestatten. Bislang wurden rund 5.000 Münzen geborgen, aber auch prachtvolle Ausstattungsgegenstände wie ein ursprünglich an der Wand befestigtes Schwert, zudem Schmuck, Accessoires von Kleidungsstücken und christliche Wallfahrtsandenken, etwa sogennante Pilgerfläschchen und ein Token aus dem Gelobten Land.

Ausblick und Ziele

Die wissenschaftliche Bearbeitung der materiellen Kultur des 7. Jahrhunderts von Ephesos erfolgt in Teamarbeit (Keramik: A. Waldner, L. Rembart, Amphoren: H. González Cesteros, Glas: L. Schintlmeister, Tracht- und Schmuck: A. M. Pülz, Münzen: N. Schindel). Ziel des Projekts ist es einerseits, die Chronologie der Stadtgeschichte und die Ursachen für Zerstörungshorizonte im 7. Jahrhundert zu präzisieren und das Alltagsleben in Ephesos in dieser Zeit zu rekonstruieren. Andererseits bietet die kontextuelle Auswertung der Fundensembles die Gelegenheit, Raumfunktionen zu eruieren, aber auch die Laufzeiten einzelner Gattungen und Formen näher einzugrenzen.

 

Projektleitung

Alice Waldner

Finanzierung

ÖAW-ÖAI