Ziel des bilateralen österreichisch-luxemburgischen Projekts ist die Erschließung und interdisziplinäre Auswertung römerzeitlicher Grabbauten und Grabbauteile aus dem westlichen Teil der Civitas Treverorum (römische Provinz Gallia Belgica). Im Mittelpunkt stehen die Zusammenführung, Rekonstruktion und kulturgeschichtliche Auswertung des außergewöhnlich reichen Denkmälerbestands dieser Region, an der heute vier Staaten Anteil haben.

Das Untersuchungsgebiet

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die reichhaltigen, bislang aber nur unzureichend erforschten und publizierten Grabbauten in den Archäologischen Museen von Arlon (B) und Luxemburg (L). Auch die Funde aus den ländlichen Gebieten (Teil Frankreichs und der belgischen Provinz Luxemburg) werden in die Untersuchung einbezogen. In Kooperation mit einem Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum östlichen Treverergebiet wird die Fundgattung erstmals zusammenhängend für die gesamte Civitas untersucht. Ziel ist es, die sprachlich und forschungsgeschichtlich bedingten Unterschiede in den bisherigen Forschungsansätzen zu überwinden.

Grabbauten in den römischen Westprovinzen

Neuere Forschungen zu den Grabbauten der römischen Westprovinzen haben ergeben, dass auch in den nördlichen Regionen des Römischen Reichs mit großen Grabbauten nach dem Vorbild der Mausoleen des Mittelmeerraums zu rechnen ist. Grabbauteile aus Bartingen (L) lassen auf einen dreistöckigen Grabbau von mindestens 16 m Höhe aus dem zweiten Viertel des 1. Jahrhunderts n.Chr. schließen. Mehrere vergleichbare Monumente aus Arlon können nun im Zuge des Projekts mit den Methoden der Bauforschung aufgearbeitet und teilrekonstruiert werden.

 

Interdisziplinäre Forschungen

Neben den Dokumentations- und Rekonstruktionstechniken der Bauforschung kommen Methoden der naturwissenschaftlichen Analyse sowie der archäologischen und kulturhistorischen Auswertung zum Einsatz. So soll die petrologische Bestimmung der verwendeten Gesteinsmaterialien eine bestehende Forschungslücke für den Raum zwischen Mosel und Maas schließen. Epigrafische, ikonografische, typologische und entwicklungsgeschichtliche Fragen werden untersucht. Die Gesamtauswertung erfolgt im archäologischen und gesellschaftshistorischen Kontext.

 

Bilderreichtum

Die Grabbauten des Treverergebiets aus dem 2. und 3. Jahrhundert sind besonders wegen ihres Bilderreichtums bekannt. Vielfältige Alltags- und Berufsszenen vermitteln ein lebendiges Bild der provinzialen ländlichen Gesellschaft in einer Zeit der wirtschaftlichen Blüte. Den Grabbauten aus dem Zusammenhang großer Gutshofanlagen, wie etwa der Villen von Bartringen oder Echternach (L), werden die Funde aus den Gräberstraßen der Vici (u. a. Arlon, Dalheim, Titelberg) sowie die Grabbauten der Metropole Augusta Treverorum/Trier gegenübergestellt.

 

Ausbau der Fragestellungen

Eine Erweiterung erfährt das Forschungsprojekt durch die Einarbeitung und Publikation der Neufunde des Jahres 2011 aus der Siedlung auf dem Titelberg (L), die in das Gesamtspektrum eingegliedert und im Zusammenhang ausgewertet werden. Ein in Kooperation geplantes Forschungsprojekt zum gesamten Treverergebiet sieht die Behandlung übergreifender Fragestellungen, unter anderem zur Einbettung in die Landschaftstopografie und zur Rezeption vor.