Die Donau stellt einen der zentralen Kulturräume Europas dar, deren Bedeutung für die Menschheitsgeschichte unseres Kontinents mit der Rolle anderer großer Flusssysteme der Welt vergleichbar ist (Amazonas, Nil, Euphrat, Ganges etc.). Die Donau und ihre Zuflüsse bilden ein komplexes ökologisches System, das unterschiedliche Rahmenbedingungen und Grundlagen für soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklungen vergangener Gesellschaften bietet. Dementsprechend wurde der Donauraum gleichermaßen als kommunikativer Korridor wie auch als Grenzzone verschiedener Kulturen und Gesellschaften genutzt. Entscheidende soziokulturelle Entwicklungen haben den europäischen Kontinent ausgehend vom Donauraum geprägt, wobei grundlegende Innovationen und Technologien häufig darüber kommuniziert, transformiert und adaptiert wurden. Diese dynamischen Prozesse und die damit verbundenen Veränderungen im Laufe der Jahrtausende bilden den konzeptuellen Rahmen der Transferforschung »Die Donau als europäischer Kulturraum«.

Bereits etablierte archäologische Projekte in Österreich und den benachbarten Donauländern bilden die Basis für zukünftig besser verschränkte wissenschaftliche Zusammenarbeit aus den Departments des ÖAI. Dazu zählen die paläolithischen Jäger- und Sammlerkulturen in Niederösterreich und speziell der Donauterrassen bei Krems, die dazugehörige Klima- und Naturraumforschung der pleistozänen Landschaften, die Bronzezeitforschung im Traisental, die Aufarbeitung der urnenfelderzeitlichen Gräberfelder sowie des Zentralorts Stillfried/March in Niederösterreich, die Neolithikumforschung am Westbalkan (Große Morava-Donau-Route), die Rohstoff-Forschung an der mittleren und unteren Donau, der römische Limes und seine Siedlungsstruktur, materielle Kultur (Militaria, Numismatik, Epigrafik) und kulturhistorischen Phänomene (Religionsgeschichte, Demografie, urbanistische Prozesse). Die vielfältigen Entwicklungen des Donauraums in historischen Epochen zählen zu den traditionellen Forschungsschwerpunkten an der ÖAW, deren Verknüpfung mit den prähistorischen Projekten neue Erkenntnisse in der Donau-Forschung erwarten lassen. Der Transferforschungsbereich ermöglicht damit sowohl eine breitere chronologische Perspektive auf kulturelle Entwicklungen als auch neue interdisziplinäre Forschungen in Österreich und den Donauländern.

 

Leitung
Barbara Horejs