Seit dem Erscheinen der ersten CSIR-Bände zu Carnuntum (1967–1970) sind die Denkmalbestände durch Neufunde bedeutend vermehrt und die Anforderungen an ein Corpuswerk wesentlich erweitert worden. Durch die wissenschaftliche Neubearbeitung soll einerseits die Bestandsaufnahme der Steindenkmäler aktualisiert und vervollständigt, andererseits eine interdisziplinäre Auswertung dieser Quellengattung vorgenommen werden.

Kult- und Weihedenkmäler aus dem Wiener Becken und dem Leithagebiet

Als Teilergebnis des CarVin-Projekts (FWF P26368-G21) und als Fortsetzung zum CSIR-Band Carnuntum Suppl. 1 entsteht derzeit eine Bestandsaufnahme der Götter-, Kult- und Weihedenkmäler aus dem Wiener Becken und dem Leithagebiet. Die Region bildet das Hinterland der zwei wichtigen Legionsstandorte Carnuntum und Vindobona/Wien. Eine religionsgeschichtliche Auswertung zielt auf die vergleichende Gegenüberstellung von Kultzeugnissen aus zwei oberpannonischen Metropolen und ihrem jeweiligen Hinterland ab.

 

Epigrafik und archäologischer Kontext, Typologie und Ikonografie

Die Neulesung der Inschriften im Rahmen der Neubearbeitung des Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL) Pannonien erfolgt durch Fachleute der Universität Wien. Die Objekte werden jeweils in ihrem archäologischen Kontext verortet und vor ihrem historischen Hintergrund betrachtet. Die Auswertung zielt außerdem auf Fragen der Typologie, der Ikonografie und der Chronologie ab. Durch den Vergleich mit den Denkmälern aus dem Siedlungsgebiet von Carnuntum ergibt sich die Möglichkeit, Kultpraxis und Kulttopografie in direkter Gegenüberstellung zu untersuchen.

Herkunft des Gesteinsmaterials

Im Rahmen des CarVin-Projekts wurden umfangreiche Analysen zur Herkunft der im Untersuchungsraum verwendeten Gesteinsmaterialien durchgeführt. Anhand der Kult- und Weihedenkmäler wird die Aussagekraft der Ergebnisse für die Fragen der Produktionszentren und Werkstätten sowie der Herstellungstechniken und Verteilungsmechanismen untersucht.

Polychromie und Pigmentanalyse

Seit Langem ist man sich der ursprünglichen Polychromie der antiken Steindenkmäler der römischen Provinzen bewusst und bestrebt, die vorhandenen Überreste der Farbfassungen zu dokumentieren und zu konservieren. Durch Kombinieren und Experimentieren mit verschiedenen technischen und naturwissenschaftlichen Methoden der Analyse und der Visualisierung soll die Einbeziehung dieses wichtigen Aspektes im Rahmen des CSIR ermöglicht werden.