Die Stadtanlage von Abthugnos, bisher vor allem bekannt durch die umfangreich erhaltenen Ruinen eines kapitolinischen Forums aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., wird in Bezug auf ihre Funktionen sowie ihre Eigenschaften als ländliche Stadt im Hinterland von Karthago mit bauforscherischen und siedlungsarchäologischen Methoden im Rahmen einer Kooperation mit L’Institut National Du Patrimoine De Tunisie (INP) untersucht.

Lage

Die römische Stadt Abthugnos befindet sich etwa 90 km südlich von Tunis im Landesinneren bei dem modernen Dorf Henchir es-Souar in der Provinz Zaghouan, Tunesien. Die fruchtbare Landschaft ist geprägt durch die Ausläufer des Djebel Zaghdoud. Mehrere Wadis durchziehen das hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Gebiet um die Stadt. Abthugnos gehörte wahrscheinlich noch zu dem Territorium der karthagischen Pertica, unweit südwestlich der Stadt verlief die Fossa Regia, die Grenzlinie zwischen der 146 v. Chr. eingerichteten römischen Provinz Africa und dem numidischen Königreich. In der Regierungszeit Kaiser Hadrians wurde Abthugnos Municipium (Landstadt).

Forschungsgeschichte

Die gut erhaltenen Ruinen des Tempels auf dem Forum sowie weitere Baustrukturen und Inschriftenfunde wurden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Reisenden und Forschern beschrieben. 1988 begann die tunesische Archäologin Naïdé Ferchiou im Rahmen einer Notgrabung des INP mit umfangreichen Freilegungen und Bergungsarbeiten im Zentrum von Abthugnos. Ausgegraben wurde ein monumentaler Komplex, den sie als zentrales Forum von Abthugnos mit Kapitol und ziviler Basilika identifizierte. Durch diese Forschungen angestoßen, erfolgten in den folgenden Jahren weitere Dokumentationen und Ausgrabungen durch das INP sowie einzelne Restaurierungsmaßnahmen.

Bauforschung und siedlungsarchäologische Studien

Die freigelegten Gebäudestrukturen des monumentalen Forums mit Tempel und Basilika werden mit 3-D-Laser-Scanning erstmals formtreu in ihrem aktuellen Erhaltungszustand dokumentiert und auf dieser Basis in Bezug auf ihre Architektur sowie die historischen Bau- und Nutzungsphasen analysiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem zugrundeliegenden Plan des Forums, der einem in Nordafrika häufig umgesetzten Schema römischer Platzanlagen folgt, sowie auf Fragen zu seiner Implementierung. Damit werden zugleich auch die Grundlagen für ein Konzept zur künftigen Erhaltung der Forumsanlage geschaffen.

Im Stadtgebiet sind weitere bauliche Strukturen wie Zisternen, über längere Abschnitte verlaufende Mauerzüge aus Quadermauerwerk und Pflasterungen sichtbar. Unter Einsatz geophysikalischer Prospektionsmethoden und GPS-Surveys soll die Stadtanlage mit ihren Strukturen und Architekturfunden insgesamt erfasst und unter Berücksichtigung aller verfügbarer Informationen analysiert werden. Ziel ist es, den Charakter des antiken und spätantiken Abthugnos, das Anfang des 4. Jahrhunderts Bischofssitz wurde, sowie die Bedeutung der Stadt in ihrem ländlichen Umfeld zu erhellen.

Nachhaltigkeitsprojekt »Teambuilding Archäologie«

Begleitet wird die aktuelle Erforschung der archäologischen Stätte Abthugnos durch ein Nachhaltigkeitsprojekt, das sich den Beziehungen der lokalen Bevölkerung zu den in enger Nachbarschaft befindlichen historischen Monumenten widmet. Mit Forschungsansätzen aus der ›Community Archaeology‹ soll die Bewusstseinsbildung für das kulturelle Erbe bei den Familien vor Ort unterstützt sowie gleichzeitig Einblicke in die Bereiche Archäologie, Architekturgeschichte und Denkmalpflege (auch als zukünftige Ausbildungsfelder für die Schülerinnen und Schüler) vermittelt werden. Ziel ist es, in einem engen Austausch von kommunaler Ebene und Expertentum ein Konzept zur Erhaltung und Präsentation des antiken Abthugnos zu entwickeln.