Die Analyse ökonomischer Strukturen, die historische Abläufe vielfach in entscheidender Weise konditionieren, ist eine Kernaufgabe der Geschichtsforschung und der Archäologie. Die Studien müssen dabei fächerübergreifend sowohl auf der Grundlage der materiellen Hinterlassenschaft aus den jeweiligen Untersuchungszeiträumen als auch auf Basis der textlichen Quellen aus oder zu den betreffenden Perioden erfolgen, sofern solche vorhanden sind. Für die Erforschung der relevanten Materialien und Quellen ist die Anwendung einer breiten Palette unterschiedlicher Ansätze unabdingbar – unter anderem archäometrische und archäologische sowie philologisch-kritische Methoden. Insgesamt ist die wirtschaftsgeschichtliche Analyse durch ökonomische Modellbildung zu unterstützen.

Die drei Abteilungen des ÖAI weisen hervorragende Kompetenzen in der Erforschung der Wirtschaftsgeschichte der prähistorischen und historischen Epochen auf. Dementsprechend soll Ökonomie als eine der Querschnittsmaterien eine besondere Rolle in der Forschungsplanung des Instituts erhalten. Das Spektrum reicht dabei von der Erforschung der Wirtschaft mediterraner Gesellschaften der prähistorischen Zeit über das klassische Altertum bis in die Spätantike und das frühe Mittelalter.

Um die ökonomischen Grundlagen einer vergangenen Gesellschaft zu rekonstruieren – insbesondere, wenn für diese keine Schriftquellen zur Verfügung stehen –, werden sowohl bioarchäologische Forschungen etwa zur landwirtschaftlichen Produktion als auch Herkunftsbestimmungen und Distributionsanalysen zu Artefakten in einer Kombination von Materialanalysen und archäologischen Methoden durchgeführt. Siedlungsarchäologische Forschungen im städtischen und ländlichen Raum konzentrieren sich auf Fragen der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, Logistik wie Infrastruktur und liefern wichtige Informationen für die Rekonstruktion von Wirtschaftssystemen sowohl aus einer Mikro- als auch aus einer Makroperspektive.

In der historischen Periode erlaubt die stärkere Diversifizierung des Quellenmaterials noch zusätzliche methodische Zugänge. An erster Stelle ist hier das numismatische Material zu nennen, sind Münzen doch mehr als jede andere Quellengattung das Medium, welches der Forschung direkten Zugriff auf die Geschichte antiker Staatsfinanzen gewährt. Von entscheidender Bedeutung unter den in der Abteilung Altertumswissenschaften des ÖAI vertretenen Teildisziplinen sind für die Erforschung der Wirtschaftsgeschichte aber auch die dokumentarischen Textwissenschaften Papyrologie und Epigrafik, deren Material aufgrund der vertretenen Textsorten zu einem großen Teil von direkter Relevanz für die antike Wirtschaftsgeschichte ist.

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institutsdepartments haben sich von den jeweiligen Disziplinen und Zeithorizonten ausgehend bereits bisher eingehend wirtschaftsgeschichtlichen Fragen gewidmet. Aufbauend auf diesen Forschungen ist in Zukunft die fach- und zeitübergreifende Vernetzung mit Workshops, internationalen Konferenzen und Vorträgen sowie die Erarbeitung neuer Projekte zur antiken Ökonomie geplant.

 

Leitung
Bernhard Woytek