Zwischen Küstenlandstrichen und Gebirgslandschaften bietet der östliche Mittelmeerraum eine enorme Vielfalt unterschiedlicher Habitate. Die Lizenzgrabungen Aigeira und Lousoi sind deshalb Gegenstand nicht nur siedlungs-, sondern auch umweltarchäologischer Forschungsinteressen.

Die Peloponnes beherbergt eine Vielzahl unterschiedlichster Natur- und Siedlungsräume mit jeweils sehr unterschiedlichen orografischen und klimatischen Herausforderungen an menschliche Gesellschaften. Die beiden seit Jahrzehnten durch das ÖAI beforschten Siedlungsräume Arkadiens, Aigeira und Lousoi, könnten beispielsweise unterschiedlicher nicht sein: Aigeira liegt in militärisch-strategischer Hinsicht vorteilhaft über dem Golf von Korinth, Fischgründe sowie landwirtschaftlich nutzbare Flächen sind in mediterraner Gunstlage vorhanden, jedoch ist die Wasserversorgung schwierig. Die Umgebung Lousois hingegen, das Hochplateau von Soudena, ist schwieriger zugänglich, für den Anbau typisch mediterraner Kulturen (Feige, Wein, Olive) nicht optimal und wird während des Winterhalbjahres regelmäßig überflutet. Die bioarchäologische Erforschung versucht, die angewandten Strategien im Umgang mit diesen Voraussetzungen besser zu beleuchten.

Aigeira: Tierwirtschaft und Subsistenz in der Spätbronze- und Früheisenzeit

Die jüngsten Ausgrabungen unterhalb der antiken Akropolis von Aigeira erbrachten umfassendes archäozoologisches Fundmaterial, das die Haustiernutzung und die Wirtschaftsweisen in einem weiteren zeitlichen Rahmen rekonstruieren lässt: Ziegen und Schafe, gefolgt von Rindern waren die wichtigsten Haustiere.
Diese Nutztiere wurden offenbar überwiegend im mittleren Lebensalter geschlachtet. Ein derartiges Schlachtalterprofil spricht für die Nutzung von Sekundärprodukten wie Milch, Haaren oder Wolle, aber auch für die Absicht auf optimalen Fleischertrag. Die Rinder dürften recht kleinwüchsig und von graziler Gestalt gewesen sein. Unter den deutlich weniger häufigen Schweineknochen, die zudem ein geringeres Schlachtalter aufweisen, fanden sich auch ausgesprochen große Knochen – sie dürften allesamt von Wildschweinen stammen.
Bemerkenswert sind Pferde- und Eselsreste, die ebenso wie der Beckenknochen eines Löwen nachgewiesen werden konnten. Rothirsch- und Hasenknochen sowie einige Meeresmuscheln und Schnecken komplettieren die Wildtierfauna.

Lousoi: Bioarchäologie zweier Kultplätze im Zentrum der antiken Stadt

In der antiken Polis Lousoi sind archäobotanische und archäozoologische Analysen Teil interdisziplinärer Untersuchungen zur funktionalen und räumlichen Gliederung des öffentlichen Zentrums der hellenistischen Stadt.

Das systematische Studium botanischer Makrofossilien und Säugetierknochen aus ausgewählten stratigrafischen Kontexten im Bereich des zentralen urbanen Heiligtums östlich der hellenistischen Agora sowie eines weiteren kleinen Sakralbaus in unmittelbarer Nachbarschaft werfen einerseits Licht auf die große Bedeutung, die Landwirtschaft und Tierzucht für die Bewohner der auf etwa 1.000 m Seehöhe gelegenen Karstebene hatten. Zum anderen liefern sie aber auch wichtige Informationen für die kontextbezogene Interpretation der Ausgrabungsergebnisse.

Während die Befunde im Bereich des Zentralheiligtums auf die Abhaltung ritueller Festmähler im Herzen der Stadt schließen lassen, dürften die botanischen Makroreste aus Nutzungsstraten an Monument A auf kultische Feste verweisen, die einen engen Bezug zur Hoffnung auf Fruchtbarkeit und gute Ernte, möglicherweise auch zu Tod und neu aufkeimendem Leben hatten.

 

Aigeira: Tierwirtschaft und Subsistenz

Projektleitung

Alfred Galik

Kooperationen

Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Topographische Anatomie

Laufzeit

2017–2021

Finanzierung

ÖAW-ÖAI


    Lousoi: Bioarchäologie zweier Kultplätze

    Projektleitung

    Laufzeit

    2019–2022

    Finanzierung