Das Münzkabinett des Museo Nazionale Romano (Rom) beginnt eine neue Publikationsreihe für die Veröffentlichung der römischen Münzen aus der bedeutenden Sammlung von Francesco Gnecchi (1847–1919). Bernhard Woytek wird sie mit einem Band zu den Prägungen von Nerva und Trajan eröffnen.

Francesco Gnecchi

Der aus Mailand gebürtige Industrielle und Kunstmaler Francesco Gnecchi (1847–1919) war einer der wichtigsten Numismatiker der späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit seinem Bruder Ercole gründete er 1888 die heute noch immer bestehende »Rivista Italiana di Numismatica«, und die beiden Brüder waren auch unter den Gründungsmitgliedern der »Società Numismatica Italiana« (1892). Francesco Gnecchi baute eine herausragende Sammlung römischer Münzen auf, die bei seinem Tode ungefähr 20.000 ausgesuchte Stücke umfasste, für die zum Teil wichtige Provenienzinformationen verfügbar sind: Die Stücke stammen zum Teil aus Ausgrabungen in Rom selbst. Die Sammlung wurde 1923 vom italienischen Staat angekauft, der sie im Münzkabinett des Museo Nazionale Romano (MNR) verwahrt. Die Sammlung des MNR ist damit weltweit eine der bedeutendsten für antike römische Münzen.

Gnecchi als Wissenschaftler

Gnecchi schöpfte für eine umfangreiche numismatische Publikationstätigkeit aus seiner Sammlung. Neben einer Vielzahl von Beiträgen in der »Rivista Italiana di Numismatica« sind für die antiken Münzen vor allem zwei Werke zu nennen: die populäre, reich illustrierte kleine Einführung »Monete romane«, die in mehreren Editionen erschien (3. verbesserte und erweiterte Auflage Mailand 1907) und auch auf Englisch übersetzt wurde, sowie das monumentale dreibändige Werk »I medaglioni romani«(3 Bände, Mailand 1912): Es stellt bis heute das umfassendste Zitierwerk für römische Medaillons – also oft großformatige, kunstvoll gearbeitete Geschenkstücke der römischen Kaiser – dar.

Das neue Projekt

Die eminente Bedeutung der Sammlung Gnecchi beruht einerseits darauf, dass sie nicht wenige unikale Stücke und Varianten römischer Münzen enthält. Weiters zitierte Gnecchi viele unedierte Stücke in seinen eigenen Schriften, wodurch sie in der späteren Literatur oft als Referenzexemplare genannt sind. Trotzdem ist die Sammlung als solche beinahe hundert Jahre nach ihrem Ankauf durch das italienische Ministero della Pubblica Istruzione bisher noch unpubliziert.

Diese Lücke wird nun durch eine vom Museo Nazionale Romano begonnene Forschungsinitiative geschlossen, die auf die erstmalige systematische Bearbeitung kompletter Materialkomplexe der Sammlung abzielt. Dazu wird eine eigene Publikationsreihe gegründet, die als Sonderreihe des »Bollettino di Numismatica« konzipiert ist.

Die Reihe wird durch eine zweisprachige Monografie (englisch/italienisch) von Bernhard Woytek zu den römischen Reichsmünzen der Regierungen von Nerva und Trajan (96‒117 n. Chr.) eröffnet, die neben vollständig illustrierten Katalogen auch eine umfangreiche Einleitung sowie detaillierte Kommentare zu den wichtigsten Stücken enthalten wird.

 

Projektleitung

Kooperation

Museo Nazionale Romano, Münzkabinett

Laufzeit

seit 2016

Finanzierung

ÖAW-ÖAI