Die »Süßwasser-Opale« vom Csaterberg wurden als leicht verfügbare Rohmaterialquelle über lange Zeiten hinweg zur Werkzeugherstellung genutzt. Das Projekt untersucht dieses Thema in seiner ganzen Komplexität, angefangen von paläontologisch-geologischen Aspekten über chronologisch-technologische Fragen bis hin zu Distribution und Verbreitung der Artefakte.

Wir arbeiten hier an einer lange bekannten und doch unbekannten Fundstelle – fossiles Holz von den Csaterbergen fand bereits 1583 und 1601 durch Carolus Clusius eine erste Erwähnung in wissenschaftlicher Literatur. Wohl schon im 19., besonders aber im 20. Jahrhundert wurden die Hügel dann intensiv von Mineralien- und Fossilienfreunden besammelt, was jedoch auch eine Zerstörung von (nicht als solche erkannten) archäologischen Befunden durch teils recht umfangreiche Grabungstätigkeit nach sich zog. Im Gegensatz zu den mineralogischen und paläontologischen Besonderheiten wurde die archäologische Bedeutung der Csaterberge hingegen lange überhaupt nicht erkannt und blieb bis heute stark unterschätzt.

Geologie und Paläontologie

Beim sedimentären Csaterberg-Limnosilizit handelt es sich um eine Randbildung eines miozänen Süßwassersees. Die Klärung der geologischen Altersstellung über Gastropoden erfolgte durch eine Kooperation mit der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des NHM und ergab als Datierung unteres Turolium/unterster Abschnitt des oberen Pannoniums (Harzhauser et al. 2019).

Rohmaterial-Charakterisierung

Die Charakterisierung der Silizit-Varietäten erfolgt nach dem MLA (Multi Layered Chert Sourcing Approach): einerseits makro- und mikroskopisch, andererseits soll (in Zusammenarbeit mit der Universität Graz) »geochemisches Fingerprinting« erfolgen, um eine sichere Abgrenzung gegenüber anderen ost- und südosteuropäischen Limnosiliziten/Süßwasseropalen zu ermöglichen (Ungarn: Tokajer Berge, Slowakische Republik: v. a. Banskobystrický kraj, Serbien: Lojanik).

Geländetätigkeit

Das Eruieren von Abbaustellen/Bergbauresten und Schlagplätzen unterschiedlicher Datierung im gesamten Gebiet von Hoch- und Kleincsaterberg erfolgt(e) einerseits im Rahmen der Fossilien-Probenentnahmen, andererseits in Zusammenarbeit mit Privatsammlern. In Zukunft (abhängig von weiterer Finanzierung) soll eine detailliertere Kartierung erfolgen und eventuell mittels Rammkernsondierungen und Testschnitten festgestellt werden, ob paläolithische Fundschichten in situ erhalten und vermutete neolithische Abbauspuren/Halden dokumentierbar sind.

Artefaktanalysen

Artefaktmorphologisch-technologische Analysen der Fundkomplexe ermöglichen eine (zumindest grobe) Unterscheidung und Datierung der Artefakte auch bei Oberflächen-Fundmaterial ohne stratigrafisch gesicherten Zusammenhang, und die Eingliederung besonders der mittelpaläolithischen Geräte in einen mitteleuropäischen Kontext.

Distribution

Untersuchungen zur diachronen Distribution des Rohmaterials und zur Verbreitung der Artefakte stehen erst am Anfang – aber schon jetzt zeigt sich, dass der »Csaterberg-Opal« sowohl im Jungpaläolithikum als auch im Neolithikum und der Kupferzeit auf Siedlungsstellen im Umkreis von ca. 100 km auftritt – es handelt sich also um ein wichtiges, auch überregional bedeutendes Rohmaterialvorkommen.

Publikationen

Publikationen

  • V. C. Schmid – O. Schmitsberger – Th. Einwögerer, Erste Hinweise auf mittelpaläolithische Steintechnologie im Burgenland (Österreich) von der Oberflächenfundstelle „Csaterberg“. Eine artefaktmorphologisch-technologische Analyse (in Vorbereitung).
  • O. Schmitsberger – M. Brandl – V. C. Schmid, Neandertaler im Burgenland (AT). Zur Nutzung des Limnosilizites der Csaterberge von Kohfidisch als Rohmaterialquelle vom Mittelpaläolithikum bis in die Kupferzeit (in Vorbereitung).
  • O. Schmitsberger, KG Kohfidisch und KG Badersdorf, Fundberichte aus Österreich 59, 2020 (in Druck).
  • M. Harzhauser – Th. A. Neubauer – O. Schmitsberger, The gastropod fauna from the opalite of the late Miocene Lake Tschaterberg (Austria),Jahrbuch der geologischen Bundesanstalt 159, 2019, 163–173.
  • O. Schmitsberger, KG Kohfidisch, Fundberichte aus Österreich 56, 2017, 76.