Die archäologischen Forschungen der Jahre 2011 bis 2016 am südlichen und östlichen Abhang der Akropolis und im unmittelbar östlich anschließenden Bereich des ›Sattels‹ erbrachten neue Erkenntnisse zur Geschichte der spätmykenischen Siedlung von Aigeira und zur Entstehung des frühen Heiligtums.

Bereits W. Alzinger konnte in den 1970er- und 1980er-Jahren auf der Akropolis von Aigeira mehrere Phasen einer spätmykenischen Siedlung nachweisen. Von besonderer Bedeutung war dabei die Entdeckung eines starken Brandhorizonts, der die Zerstörung einer dieser mykenischen Siedlungsphasen markiert.

 

Neue Grabungen am Abhang der Akropolis und am ›Sattel‹

Zwischen 2011 und 2016 konnte am ›Sattel‹ erstmals eine ausgedehnte bronzezeitliche ›Unterstadt‹ nachgewiesen werden. Die Akropolis war demnach das Zentrum einer größeren Siedlung, welche sich über den gesamten Bereich des südlich und östlich der Akropolis gelegenen Plateaus erstreckte und eine Fläche von bis zu 12.000 m² einnahm.

›Unterstadt‹ und Befestigung

Spuren eines mächtigen Brandhorizonts wurden auch in der mykenischen ›Unterstadt‹ festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass weite Teile oder sogar die gesamte mykenische Siedlung zusammen mit der Akropolis von ein und derselben Brandkatastrophe heimgesucht wurden. Der Wiederaufbau der zerstörten Siedlung setzte unmittelbar nach der Katastrophe ein. Die Tatsache, dass die Akropolis und vermutlich auch Teile der ›Unterstadt‹ nun mit einer neuen Befestigungsmauer versehen wurden, lässt jedenfalls auf ein erhöhtes Schutzbedürfnis der Bewohner Aigeiras schließen.

Die Errichtung dieser Befestigungsmauer ist auch insofern aufschlussreich, als sie zeigt, dass nach der Brandkatastrophe weiterhin eine funktionierende Siedlungsorganisation bestanden haben muss, welche die Verwirklichung eines solchen Bauvorhabens erst ermöglichte. Bemerkenswerterweise ist Aigeira auf der Peloponnes das bislang einzige Beispiel für einen Ort, der in dieser späten Phase der Bronzezeit neu befestigt wurde.

Über diese Erkenntnisse zur Siedlungsstruktur hinaus erlauben die Ausgrabungen in der ›Unterstadt‹ auch neue Einblicke in das Alltagsleben, die Haustiernutzung und die Wirtschaftsweisen im bronzezeitlichen Aigeira.

Aigeira nach dem Ende der Bronzezeit: Siedlungskontinuität oder Hiat?

Die neuen Forschungen im Bereich der ›Unterstadt‹ erbrachten auch Erkenntnisse für die Zeit nach dem Ende der mykenischen Siedlung in den Jahren um 1100 v. Chr. Da bislang keine Funde aus submykenischer, protogeometrischer und frühgeometrischer Zeit festgestellt werden konnten, ist die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass Aigeira im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. unbesiedelt war.

Das frühgriechische Heiligtum

Ab der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. zeichnet sich eine deutliche Zunahme keramischer Funde ab, die in Zusammenhang mit der Gründung des frühgriechischen Heiligtums auf der Akropolis zu sehen ist. Erste Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchungen auf den Plateaus südlich und östlich der Akropolis, also im Bereich der bronzezeitlichen ›Unterstadt‹, lassen vermuten, dass hier auch die zu diesem Heiligtum gehörige Siedlung lag. Ihre Erforschung wird Schwerpunkt zukünftiger Arbeiten in Aigeira sein.

Projektleitung

Walter Gauß

Laufzeit

seit 2011

Finanzierung