Mehrere Untergruppen der Münzprägung des lydischen Königreiches (7.–6. Jh. v. Chr.) weisen Schriftlegenden auf, die sich auf einzelne Könige beziehen lassen. Das Projekt soll die Sequenz dieser Münzen und folglich auch der Münzlegenden rekonstruieren und in einem zweiten Schritt anhand weiterer Befunde – Schriftquellen und Fundkontexte – die Chronologie der lydischen Herrscher präzisieren.

Das Königreich Lydien war ein Nachbar der ionischen Griechen, die entlang der Westküste der heutigen Türkei siedelten. Die Münzprägung der Lyder ist vor allem durch die Münzen ihres letzten Königs, Kroisos (561–546 v. Chr.), bekannt. Die bimetallische Münzprägung des Kroisos bestand aus zwei parallelen Serien in Gold und Silber. Seine Vorfahren hatten jedoch Elektronmünzen geprägt. Elektron ist eine Legierung aus Gold und Silber mit einer geringen Beimischung von Kupfer (zur Härtung der Legierung). Lydische und ionische Elektronmünzen wurden in Ausgrabungen gemeinsam gefunden. Die lydische Münzprägung bildet möglicherweise die älteste Münzserie der westlichen Hemisphäre.

Die Anfänge des Münzwesens sind noch immer rätselhaft: Viele frühe Elektronmünzen lassen sich keinen bestimmten Münzstätten zuordnen. Die Münzen von Ephesos sind am Emblem der Biene zu erkennen, jene von Miletos am liegenden Löwen, die von Phokaia an der Robbe. Es gibt aber rund 400 Serien von frühen Elektronmünzen; viele davon lassen sich nur grob klassifizieren und datieren, und es ist unklar, wer sie prägen ließ, aus welchen Anlässen und unter welchen Umständen.

Aus dieser Unübersichtlichkeit sticht die lydische Münzprägung aufgrund ihres klaren Typus und ihrer Konstanz heraus. Die Kultur der Lyder zeigt eine große Vorliebe für Löwendarstellungen, und so bilden Köpfe brüllender Löwen das Emblem der lydischen Münzen. Anfangs sind es zwei antithetische Löwenköpfe; später tritt ein einziger, nach rechts gewandter Löwenkopf an deren Stelle.

Ein Merkmal der ältesten Gruppe liefert einen chronologischen Hinweis: Zwischen den antithetischen Löwenköpfen finden sich Münzlegenden. Die Legenden sind in lydischen Lettern geschrieben, deren Lesung und Bedeutung umstritten sind. Man ist sich einig, dass die Legenden Namen enthalten, aber viele Einzelheiten sind strittig. Die häufigste Münzlegende, FAΛFET, wird oft mit dem Lyderkönig Alyattes, dem Vater des Kroisos, in Verbindung gebracht. Eine andere Legende, KVKAΛIM, könnte sich auf König Gyges, einen Vorfahren des Alyattes, beziehen.

Auch andere Befunde sind in Betracht zu ziehen, etwa die archäologischen Kontexte, in denen Münzen dieser Serie gefunden wurden. Es ist paradox, aber die Stratigrafie der fraglichen Funde scheint die Verhältnisse – die Reihenfolge der Könige – geradezu auf den Kopf zu stellen. Es ist unumgänglich, den technischen Befund, also die Abfolge der Prägegruppen, festzustellen.

In diesem Projekt sollen die frühesten Gruppen der lydischen Münzprägung, ob mit oder ohne Münzlegenden, mithilfe mehrerer Methoden untersucht werden. Eine Stempelstudie, welche die Reihenfolge der Prägungen klären soll, wird das Rückgrat des Projekts bilden; Metallanalysen liefern einen zusätzlichen Parameter. Antike Quellentexte in mehreren Sprachen – lydisch, griechisch und assyrisch – sowie archäologische Befunde müssen erneut befragt werden. Das Ziel ist, die lydische Chronologie anhand der Münzen zu rekonstruieren.

Projektleitung

Wolfgang Fischer-Bossert

Kooperationen

Laufzeit

2020–2023

Finanzierung

FWF P33483-G