Das Pilotprojekt Bisamberg hat das Ziel, Siedlungsspuren auf dem bekannten Wiener Hausberg durch geophysikalische Prospektion zu dokumentieren, frühere Grabungsschnitte zu lokalisieren und urgeschichtliche Funde den bekannten Fundstellen zuzuordnen.

Der Bisamberg, der am nördlichen Ufer der Donau die Wiener Pforte markiert, ist als nordöstlichster Ausläufer der Zentralalpen eine charakteristische Erhebung. Er erstreckt sich über die Gemeinden Bisamberg, Langenzersdorf und Hagenbrunn im Bezirk Korneuburg und über Stammersdorf und Strebersdorf auf Wiener Gemeindegebiet.

Siedlungsspuren im Bereich des Bisamberges sind von der Zeit des Mesolithikums (ca. 8000 v. Chr.) belegt. Er gab der neolithischen Bisamberg-Oberpullendorf Gruppe seinen Namen und ist als eine der wenigen bekannten mittelbronzezeitlichen Höhensiedlungen signifikant. Spätbronzezeitliche, früh- und späteisenzeitliche Funde kamen an verschiedenen Stellen bei Bauarbeiten zum Vorschein.

Durch seine besondere topografische Lage war der Bisamberg immer wieder in militärische Strategien zum Schutz von Wien eingebunden. So wurden einige Schanzen des Befestigungsrings, der in Zusammenhang mit dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 errichtet wurde, am Bisamberg gebaut. Militärische Strukturen wie Schanzen, Schützengräben, Stellungen und Bombentrichter entstanden bis in den 2. Weltkrieg hinein und sind auch heute noch unschwer im Gelände zu erkennen.

Die professionelle archäologische Erforschung des Bisamberges begann mit Matthäus Much, der bereits 1874 die Wallanlage um die Elisabethhöhe mit ihren urgeschichtlichen Siedlungsresten beschrieb. Antiquarische Feldforschungen ergaben zwar Fundmaterialen, wurden jedoch unzureichend dokumentiert, sodass heute oft nicht mehr klar ist, wo die Bodeneingriffe stattfanden.

Das Pilotprojekt ›Archäologie am Bisamberg‹ hat zum Ziel, die urgeschichtliche Siedlungstätigkeit, die lediglich aus antiquarischen Überlieferungen und Aufsammlungen bekannt ist, mit einer modernen Aufnahme der bestehenden Geländedenkmale zu verknüpfen. Geophysikalische Prospektionen ermöglichen eine Unterscheidung urgeschichtlicher Siedlungsspuren von späteren militärischen Bodeneingriffen und eine Dokumentation des Erhaltungszustandes dieses bedeutenden Fundkomplexes an der Schnittstelle zwischen Wien und Niederösterreich.