Im Jahr 2025 wurde die Zusammenarbeit mit der Grabung Göbeklitepe im Rahmen des Taş Tepeler-Projekts gestartet. Ziel ist es, neuartige mehrstufige geoarchäologische Untersuchungen in Göbeklitepe im Kontext seiner Landschaft durchzuführen. Die Dimensionen dieses außergewöhnlichen Siedlungsplatzes, der zugleich auch ritueller Ort war, im Besonderen seine Ausmaße, Größe, Raumnutzung und die Verflechtung mit natürlichen Ressourcen und Umweltbedingungen besser zu verstehen, soll auch ein neues Licht auf den Prozess der Neolithisierung werfen, der hier vor etwa 11.500 Jahren begann.
Das vorliegende geoarchäologische Projekt wird im Gebiet von Göbeklitepe und seiner weiteren Umgebung durchgeführt. Die mehrstufigen Untersuchungen konzentrieren sich auf den Kontext, die Funktion und die räumliche Ausdehnung der archäologischen Landschaft sowie deren Verbindung zur Natur. Es ist offensichtlich, dass die spezifische geologische Formation von den Jäger- und Sammlergruppen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit der natürlichen Umgebung, im speziellen mit Wildtieren, Steinvorkommen und Wasserwegen, ausgewählt wurde. Die die berühmten Pfeilerkonstruktionen und die frühesten Wohngebäude stellen präkeramische neolithische Manifestation in Stein dar und zeigen eine besonders deutliche Auswirkung auf die Umwelt. Es ist anzunehemn, dass weitere Spuren von Aktivitäten in deren näherer Umgebung zu finden sein werden, die nicht in monumentale Architektur umgewandelt wurden.
Basierend auf früheren Beobachtungen des Göbeklitepe-Teams wird angenommen, dass sich die Zone der Aktivitäten des Pre-Pottery-Neolithic (PPN) nicht auf die »bebaute Umgebung« beschränkt. Die Beschreibung der hypothetischen »fließenden Grenzen« bei der Entstehung der PPN-Landschaft zielt darauf ab, ein neues Modell der Stätte auf der Grundlage geoarchäologischer und primärer mehrstufiger Daten zu erstellen.

Die notwendige Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, die untrennbar mit den geologischen und ökologischen Bedingungen verbunden ist, zeigt, dass von fließenden Übergängen zwischen Archäologie und Geologie an diesem Standort auszugehen ist. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Grabungsteam von Göbeklitepe (Lee Clare) und dem Taş Tepeler-Projekt (Necmi Karul) ist daher entscheidend für die Schaffung einer Grundlage zur Entwicklung geoarchäologischer und wissenschaftlicher Modelle. Dabei ist die Integration der sichtbaren und unsichtbaren Aspekte von entscheidender Bedeutung, um die Ausdehnung ritueller und/oder häuslicher Bereiche sowie die damit verbundenen Aktivitätszonen in der weiteren Umgebung festzulegen. Die Grenzen der Stätten, ihre Ausdehnung und ihre Gesamtdimension werden auf der Grundlage früherer Ergebnisse, der interdisziplinären Zusammenarbeit und der neu gewonnenen Daten definiert.
Der mehrstufige Ansatz umfasst als Ausgangspunkt Geophysik, Lidar-Daten, Luftbildfotografie und Photogrammetrie, geoarchäologische Untersuchungen, GIS-Analysen und 3D-Modellierung.
Magnetische Prospektion wird eingesetzt, um physikalische Anomalien im Boden zu erkennen, die auf archäologische Merkmale und geologische Bedingungen hinweisen. Diese Methode zeichnet Veränderungen im Erdmagnetfeld auf, die durch menschliche Aktivitäten in der Vergangenheit verursacht wurden. Zu den verwendeten Geräten gehört das magnetische Vermessungssystem Sensys MXPDA mit fünf FGM 650/3-Sonden, kombiniert mit einem Stonex GNSS-Empfänger (Modell S900A) für die georeferenzierte Positionierung.
Zur Erfassung der Topografie des Untersuchungsgebiets wird ein UAV-basiertes LiDAR-System verwendet. Dieses System erfasst die Struktur des Geländes mittels Laserscanning. Die Daten ermöglichen die Erstellung detaillierter digitaler Geländemodelle und helfen bei der Identifizierung von Formationen, die auf menschliche Einflüsse auf die Landschaft hinweisen können. Die Ergebnisse unterstützen auch die digitale Rekonstruktion und die Analyse der Beziehung zwischen archäologischen Strukturen und deren weiterer Umgebung. Die Daten werden mit einer Dark Matter hX Gen 2 LiDAR-Drohne erfasst, die mit einem RIEGL miniVUX-3UAV-Scanner und einer APX-20 GNSS/IMU-Einheit für präzise räumliche Referenzierung ausgestattet ist. Zwei Sony Alpha 6000-Kameras sind ebenfalls auf der Drohne montiert, um visuelle Dokumentationen während der Flüge zu erstellen.


Darüber hinaus werden Luftaufnahmen mit einer Drohne mit integriertem Kamerasystem gemacht. Mit dieser Methode werden visuelle Informationen über den Boden von oben erfasst. Die Bilder helfen dabei, Muster, Oberflächenveränderungen oder Landschaftsmerkmale zu dokumentieren. Sie bieten einen zusätzlichen Datensatz zur Unterstützung der Interpretation archäologischer Anomalien und ihres räumlichen Kontexts. Für diese Aufgabe wird eine DJI Mavic 3E-Drohne verwendet. Für die geodätische Erfassung aller Messdaten wird ein satellitengestütztes GNSS-System eingesetzt. Es ermöglicht eine genaue Positionierung aller Vermessungspunkte und Flugwege.
Die ersten Untersuchungen vor Ort wurden im September und Oktober 2025 durchgeführt und lieferten fundierte neue Daten. Vorläufige Ergebnisse deuten nicht nur auf neue architektonische Strukturen außerhalb bereits ausgegrabener Bereiche hin, sondern lassen auch wichtige zusätzliche Daten für das Verständnis von Göbeklitepe in seinem ökologischen Kontext in zukünftigen Kampagnen erwarten.
