Griechische und etruskische Vasen aus zwei Wiener Universitätssammlungen stehen im Fokus dieses Projektes. Zur Vorbereitung der Publikation in der Reihe CVA wurden 174 ganze sowie fragmentierte Gefäße der protogeometrischen bis frühklassischen Zeit mit Hilfe kunst- und naturwissenschaftlicher Methoden analysiert und – falls nötig – einer Restaurierung unterzogen.
174 ganze und fragmentierte Gefäße aus zwei Universitätssammlungen (Archäologische Sammlung des IKA und Studiensammlung des IUHA) wurden aufgenommen und wissenschaftlich bearbeitet, um sie umfassend im Rahmen des internationalen Standardwerkes CVA publizieren zu können und sie somit der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Bearbeitung umfasst gemäß den Richtlinien des deutschsprachigen CVA eine detaillierte Beschreibung jedes Einzelstückes, eine Datierung und – wo möglich – eine Zuschreibung an eine Werkstatt, einen Töpfer oder eine Malerhand, um handwerkliche Zusammenhänge aufzuzeigen. Ein wissenschaftlicher Kommentar zu Aspekten wie Chronologie, Form, Ornamentsystem oder Ikonografie bildet den Abschluss jedes Lemmas. Vor dem Erstellen der Profil- und Schnittzeichnungen sowie der Fotografien mussten 75 % aller Gefäße bzw. Fragmente gereinigt und/oder restauriert werden; besonders einige Stücke der Archäologischen Sammlung hatten durch fehlerhafte Restaurierung Schaden genommen und mussten ‚entrestauriert‘ werden, wobei an irreversiblen Schäden natürlich nichts mehr verändert werden konnte. Das Zusammensetzen von Gefäßen, die in fragmentierter Form in die Sammlung gekommen sind, das Zuweisen einzelner Bruchstücke zu Gefäßen, aber auch das Ausscheiden falsch zugewiesener Fragmente waren ebenso Aufgaben der CVA-Bearbeiterin wie eine detaillierte Provenienzforschung in beiden Sammlungen, wobei die Zuwächse seit der Mitte des 20. Jahrhunderts fast immer auf Schenkungen basieren.
Ein besonders signifikantes Beispiel für die Erfolge des Projekts ist das Scherben-Konvolut Arch. Slg. Inv. 1216 (Abb. 1), das als private Schenkung in die Archäologische Sammlung kam und wohl aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Fragmente nie zusammengesetzt wurde. Im Zuge des Projekts konnte die Restauratorin, Teresa Wagner, alle zugehörigen Teile wieder zusammenzufügen, so dass die jetzt gut als solche kenntliche attisch-schwarzfigurige Sianaschale in die Jahre 550 bis 540 v. Chr. datiert und dem Greifenvogel-Maler zugeschrieben werden kann.
Nach einer umfangreichen Reinigung wird auch das attisch-schwarzfigurige Amphorenfragment Arch. Slg. Inv. 506.1 (Abb. 2) neu vorgelegt: Aufgrund der Verschmutzung konnte früher nicht erkannt werden, dass sehr häufig rote Deckfarbe verwendet worden war; zudem strahlt die weiße Deckfarbe auf den Hautpartien der Athena nach der Reinigung im Jahr 2022 in ihrer ursprünglichen Kraft. Das Fragment, das aus einer Schenkung Otto Benndorfs von 1888 stammt, kann aufgrund der Detailzeichnungen der Athena (Gesicht, Gewandborten, Detailform des Helmes) der Gruppe E zugeschrieben werden, was durch die Gefäßform, eine Bauchamphora der Form B, noch unterstützt wird.
Neben den in der Vasenforschung üblichen geisteswissenschaftlichen kamen auch naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz, etwa die – allerdings invasive – Neutronenaktivierungsanalyse (NAA), die eine regionale Herkunftsbestimmung auf Basis einer Identifizierung von Tonlagerstätten in einigen Fällen möglich machte. Die wichtigen Profilzeichnungen wurden in Ausnahmefällen händisch, meist aber per LAP (Laser Aided Profiling) bzw. durch 3D-Scans vorgenommen und im Anschluss weiterverarbeitet und digitalisiert. Da eine Profilzeichnung immer auch eine Rekonstruktion der Form darstellt, wurde hierdurch auch das Errechnen von Volumina sogar bei offenen Gefäßen mit Fehlstellen ermöglicht. Die Umzeichnungen und Abrollungen verblasster ornamentaler oder figürlicher Darstellungen wurden dagegen von Hand vorgenommen, wobei einige nicht mehr sichtbare Elemente mit Hilfe von Fotografien unter dem RTI-Dome (Infrarot bzw. Ultraviolett) wieder kenntlich gemacht werden konnten.
Der Erkenntnisgewinn in Bereichen wie Ikonografie, Herstellungstechnik, aber auch Provenienzforschung ist außergewöhnlich hoch, da bisher nur 24 % der zu bearbeitenden Gefäße und Fragmente überhaupt schon einmal publiziert wurden. Dies wird sich durch den neuen CVA-Band nun ändern.
06/2021 – 07/2025