LEGION entwickelt eine innovative KI-Methode zur automatisierten Analyse römischer Keramik aus Carnuntum. Grundlage bildet ein einzigartiger Datensatz von rund 70.000 Gefäßzeichnungen aus jahrzehntelanger Forschung. Mithilfe moderner Machine-Learning-Verfahren entstehen neue, transparente Typochronologien. So eröffnet das Projekt neue Einblicke in Produktion, Handel und Siedlungsentwicklung im römischen Donauraum.

Das Projekt LEGION entwickelt eine innovative KI-basierte Methode zur automatisierten Klassifikation und Analyse römischer Gebrauchskeramik aus dem UNESCO-Welterbe Carnuntum. Ziel ist es, archäologische Fundmaterialien schneller und nachhaltiger auswerten zu können und dadurch neue Perspektiven auf die provinzialrömische Geschichte und materielle Kultur zu eröffnen.
LEGION basiert auf einem einzigartigen Datensatz von rund 70.000 Profilzeichnungen keramischer Gefäße, die im Laufe mehrerer Jahrzehnte archäologischer Feldforschung entstanden sind. Diese werden mit detaillierten archäologischen Attributen wie Form, Herstellungsweise, Dekor, Chronologie und Fragmenttyp angereichert. Das Projekt kombiniert modernste Methoden des Machine Learning (ML), Explainable AI (XAI) sowie Human-in-the-loop-(HITL)-Ansätze. Ziel ist die Entwicklung einer skalierbaren und transparenten Typochronologie, die reproduzierbare Analysen ermöglicht und neue Einblicke in Produktions- und Distributionssysteme eröffnet.

LEGION bietet damit eine praktische Lösung für die Klassifikation großer Fundkomplexe auf Grundlage etablierter zweidimensionaler Dokumentationsstandards und stellt einen wichtigen Innovationsimpuls für die Heritage Science (HS) dar. Bewusst wird auf komplexe und kostenintensive 3D-Methoden verzichtet, um die Anwendung sowohl in der alltäglichen archäologischen Praxis als auch in der kommerziellen Archäologie zu erleichtern.
Über die Klassifikation hinaus eröffnet LEGION neue Perspektiven auf Siedlungsdynamiken: Die räumliche und zeitliche Verteilung keramischer Typen ermöglicht die Rekonstruktion von Wachstums-, Krisen- und Transformationsphasen in der Stadtgeschichte Carnuntums. In einem interdisziplinären Ansatz unterstützt die Typochronologie zudem die Analyse sozioökonomischer und demographischer Prozesse. Die daraus gewonnenen Daten liefern neue Erkenntnisse zu Handelsnetzwerken, Produktionszentren und kulturellen Identitäten innerhalb der römischen Provinz.
Alle Daten, ML-Modelle und Werkzeuge werden offen und nachhaltig im Sinne der FAIR- und CARE-Prinzipien bereitgestellt und in europäische Forschungsinfrastrukturen – darunter E-RIHS – integriert. LEGION stärkt damit die internationale Sichtbarkeit und Expertise Österreichs im Bereich der Heritage Science und schafft eine wiederverwendbare digitale Infrastruktur, die auch auf andere Regionen und Zeiträume – etwa das Mittelalter – übertragbar ist.
In enger Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), dem Computer Vision Lab der TU Wien, den Niederösterreichischen Landessammlungen, dem ACDH sowie weiteren Partnerinstitutionen entsteht ein innovatives Werkzeug für wissenschaftliche Forschung, Heritage Management und den Umgang mit kulturellem Erbe. Begleitet von einer aktiven Wissenschaftskommunikation – unter anderem über soziale Medien, Ausstellungen in der Römerstadt Carnuntum und Online-Beiträge – trägt LEGION zudem zur Förderung digitaler Kompetenzen, von AI Literacy und zu einem breiteren Verständnis von KI-Anwendungen in der Heritage Science bei.
02/2026–01/2028