Die archäologische Prospektion in Carnuntum hat in den letzten zwei Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht. Durch umfassende Luftbildarchäologie und geophysikalische Untersuchungen konnten große Flächen der römischen Donaumetropole erforscht werden. Diese Methoden ermöglichten es, die Struktur und die Ausdehnung der Lagervorstadt (canabae legionis) und der Zivilstadt (municipium/colonia) zu rekonstruieren. Besonders hervorzuheben ist die Entdeckung eines Brückenkopfkastells in der Stopfenreuther Au sowie der Castra singularium, die neue Einblicke in den römischen Statthaltersitz von Oberpannonien bietet. Die Kombination verschiedener Prospektionsmethoden hat Carnuntum zu einem der anschaulichsten Beispiele für römische Siedlungsstrukturen in den Grenzprovinzen gemacht.

Die Ausgrabungen in den castra singularium (2022/2023) und im Brückenkopfkastell in Stopfenreuth (2024) haben zusätzlich wertvolle Erkenntnisse geliefert. In den castra singularium wurden die Befunde und Funde unter dem Zentralgebäude (principia) untersucht, wobei besonders ein germanisches Grubenhaus und die daraus stammenden Funde, wie Keramik und archäozoologische Reste, von großer Bedeutung sind. Diese Funde bieten Einblicke in die frühkaiserzeitliche Besiedlung und die Entwicklung der Lagervorstadt im 1. Jahrhundert n. Chr. sowie die Umwidmung des Areals von einer zivilen zu einer militärischen Nutzung. Im Brückenkopfkastell in Stopfenreuth wurden hervorragend erhaltene Mauern einer Befestigungsanlage freigelegt, die bis zu 2,65 Meter hoch erhalten sind. Das Fundmaterial, darunter Münzen, Gefäßkeramik und Baukeramik mit Ziegelstempeln der 14. und 15. Legion, weist eindeutig auf ein römisches Kastell hin, das vom späten 2. bis zum ausgehenden 3. Jahrhundert bestand. Diese Entdeckungen tragen wesentlich zum Verständnis der römischen Militär- und Siedlungsgeschichte in der Region bei.
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