Das Projekt »Historizing Interrituality with the Environment and Religious Orography in Topographic Interactions (HIEROTOPOI)« untersucht, wie griechische und römische Gemeinschaften der Antike Natur in sakrale Landschaften verwandelten. Es verbindet Archäologie, Geschichte und Religionswissenschaft, um zu analysieren, wie Rituale, Mythen und alltägliche Praktiken Mensch-Natur-Beziehungen prägten und was diese Weltdeutungen zu heutigen ökologischen Debatten beitragen können.

Berge, Quellen und Küstenlandschaften waren für die Menschen im antiken Griechenland und Rom nicht nur Hintergrundkulisse. Viele dieser Orte galten als Wohnsitze von Göttern und mythologischen Wesen oder als Schauplätze wichtiger Rituale. Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie religiöse Vorstellungen und Praktiken natürliche Landschaften im antiken Mittelmeerraum formten und wie umgekehrt diese Landschaften das Leben und die Vorstellungen der Menschen beeinflussten.

Theoretischer Rahmen

HIEROTOPOI konzentriert sich auf das dynamische Wechselverhältnis zwischen Religion und Natur in den antiken griechischen und römischen Gesellschaften und verlagert den Fokus von urbanen Kontexten hin zu Landschaften, die durch religiöse Interaktionen geprägt wurden. Das Projekt verbindet funktionalistische Perspektiven, die die sozial-politischen Rollen von Landschaften betonen, mit phänomenologischen Ansätzen, welche ihre symbolischen und erfahrungsbezogenen Dimensionen in den Vordergrund stellen.

Forschungsfragen

Das Projekt zielt darauf ab zu verstehen, wie antike Gemeinschaften ihre Umwelt sakralisierten und wie diese religiösen Konstruktionen die Beziehungen zwischen Mensch und Natur formten. Zentrale Fragen sind: Wie wurden religiöse Landschaften geschaffen und erlebt? Mit welchen Verfahren wurden religiöse Bedeutungen in natürliche Räume eingeschrieben? Können antike religiöse Praktiken nachhaltige Impulse für gegenwärtige ökologische Diskurse liefern?

 

Methoden

HIEROTOPOI verfolgt eine interdisziplinäre Methodik, die Textanalyse, archäologische Forschung und Gender Studies umfasst. Einzelne Fallstudien werden von Historiker:innen, Philolog:innen und Archäolog:innen mit fachspezifischen Methoden wie Epigraphik, Ikonographie und Raum-/Landschaftsanalyse durchgeführt. Diese Studien werden durch einen gemeinsamen theoretischen Rahmen verbunden, der von Ritualtheorie, Phänomenologie und relationaler Soziologie geprägt ist. Die methodische Struktur operiert auf drei Ebenen: detaillierte Fallstudien, theoretische Synthese über die Fallstudien hinweg sowie kontinuierliche Koordination und reflexiver Dialog innerhalb des Forschungsteams. Dieser gestufte Ansatz gewährleistet methodische Strenge und erleichtert eine interdisziplinäre Synthese.

Innovativer Ansatz

Das Projekt integriert theoretische Einsichten der zeitgenössischen relationalen Soziologie und Kulturanthropologie in die Klassische Altertumswissenschaft. HIEROTOPOI verbindet empirische Tiefenschärfe mit konzeptioneller Originalität und schlägt neue Begriffsbestimmungen für zentrale Termini wie antike Religion, religiöse Landschaft und Ritual vor. Darüber hinaus setzt sich HIEROTOPOI innovativ mit aktuellen ökologischen Fragestellungen auseinander, indem es antike Welt-Bezüge als mögliche Modelle für nachhaltige Formen der Mensch-Natur-Interaktion in den Blick nimmt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Indem das Projekt bestimmte Orte – etwa Bergheiligtümer, Heilquellen oder Küstenschreine – in ihrer Eigenart genau untersucht und anschließend vergleichend analysiert, zielt es darauf ab, ein neues, ganzheitlicheres Bild der antiken Religion zu entwerfen. Zugleich berührt es grundlegende Fragen, die uns auch heute beschäftigen: wie menschliche Gesellschaften ihrer Umwelt Bedeutung verleihen, wie sakrale Orte das soziale und politische Leben prägen können und wie vergangene Vorstellungen von der natürlichen Welt zu nachhaltigeren Formen des Zusammenlebens mit unseren Landschaften in der Zukunft inspirieren könnten.

Kooperationen
Laufzeit

03/2026–03/2029

Finanzierung