Ziel des Projekts ist es, die Ernährungsgewohnheiten bronze- und eisenzeitlicher Bergleute durch die Analyse von menschlichen Exkrementen aus den prähistorischen Salzbergwerken von Hallstatt zu untersuchen. Dadurch sollen hochpräzise individuelle Ernährungsprofile erstellt werden.
Die interdisziplinäre Untersuchung menschlicher Paläofezes stellt eines der vielversprechendsten Forschungsfelder im Bereich prähistorischer Ernährungsforschung dar. In Paläofezes verbirgt sich eine Fülle an Informationen über die Ernährung und den Gesundheitszustand der Menschen, die diese Fäkalien hinterlassen haben. Unter guten Bedingungen lassen sich durch mikroskopische und molekulare Analysen Reste von pflanzlichen Nahrungsmitteln und tierischen Produkten (Fleisch, Milchprodukte) identifizieren sowie Hinweise auf Parasitenbefall ermitteln. Auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms kann rekonstruiert werden und das biologische Geschlecht der Person festgestellt werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, besonders tiefe Einblicke in prähistorische Ernährungsmuster, Speise- und Kochpraktiken zu erlangen.
Diese besonderen Hinterlassenschaften erhalten sich nur in speziellen Kontexten, z.B. in Wüstengebieten, Höhlen, Sümpfen oder auch in Salzbergwerken. Tatsächlich bieten Salzbergwerke besonders gute Bedingungen für die Erhaltung von Paläofezes. In den prähistorischen Salzbergwerken von Hallstatt haben sich zahlreiche menschliche Exkremente erhalten und konnten im Rahmen der archäologischen Forschungen des Naturhistorischen Museums Wien ausgegraben werden.
Im Rahmen des Projekts können 50 Exkremente, die in die späte Bronze- und ältere Eisenzeit datieren und aus den Hallstätter Salzbergwerken stammen, untersucht werden. Mit Hilfe von archäobotanischer Großresteanalyse, parasitologischen Untersuchungen, DNA- und Proteinanalysen werden hochpräzise Ernährungsprofile erstellt. Der Einsatz von DNA- und Proteinanalysen ermöglicht zudem eine völlig neue Auseinandersetzung mit der Komplexität prähistorischer Koch- und Speisegewohnheiten, da fermentierte Lebensmittel sowie der Konsum von Milchprodukten nachgewiesen werden können. Untersuchungen des Darmmikrobioms versprechen darüber hinaus neue Einblicke in Ernährung und Gesundheit prähistorischer Menschen. Schließlich kann durch DNA-Analysen auch das biologische Geschlecht der Hinterlasserinnen und Hinterlasser dieser Fäkalien identifiziert werden.
Anhand dieser individuellen und umfassenden Ernährungsprofile werden Fragen zur Komplexität metallzeitlicher Ernährungsgewohnheiten und dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit verfolgt. Im Besonderen interessieren uns folgende Fragen:
Das Forschungsprojekt wird durch das FWF Joint Projects-Programm finanziert und stellt eine Kooperation unter der gemeinsamen Leitung des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAW) und des Instituts für Mumienforschung (Eurac Research Bozen) dar. Das Naturhistorische Museum Wien, die Geosphere Austria, das Institut für Systems Biology in Seattle Washington, die Medizinische Universität Wien, die Universität Trento und die Universität Wien sind als Forschungspartner*innen an dem Projekt beteiligt.
04/2025-03/2028