Dieses Projekt bietet die Möglichkeit, den multikulturellen Charakter von Zypern während der spätbronzezeitlichen Krisenjahre des Mittelmeerraums besser zu verstehen und einen Beitrag zur anhaltenden Diskussion um Migration, Interaktion und Kulturaustausch zu liefern.

Kontext und Materialen

Dieses Projekt befasst sich mit dem spätbronzezeitlichen Keramikrepertoire aus der Siedlung von Pyla-Kokkinokremos im Südosten Zyperns, die gemeinsam mit Kition im Westen und Hala Sultan Tekke im Südwesten zu den drei Großsiedlungen gehörte, die in der Spätbronzezeit zeitweise in der Küstenregion des Golfs von Larnaka bestanden.

Die Besiedlungsdauer von Pyla umfasst kaum mehr als 50 Jahre, von der Mitte des 13. bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts v.Chr. In dieser Zeit erlebte Pyla die letzte Blütezeit des internationalen Handels, bevor die spätbronzezeitliche Krise der Staaten im Ostmittelmeerraum ihren Höhepunkt erreichte und zum Zusammenbruch überregionaler Austauschnetzwerke führte.

Das keramische Fundspektrum von Pyla weist einige Besonderheiten im Vergleich zu anderen gleichzeitigen Siedlungen auf. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt der in Pyla nachgewiesenen Keramikkategorien, die über die bekannte Bandbreite anderer zeitgenössischer Siedlungen auf der Insel hinausgeht. Neben einem umfassenden Spektrum handgemachter sowie scheibengedrehter einheimischer Produkte konnten bislang Importgefäße aus Ägypten, von der Levanteküste, aus Westkleinasien, von Kreta, vom griechischen Festland und aus Sardinien identifiziert werden.

Untersuchungen an Materialen

Das Keramikrepertoire von Pyla wurde umfassend untersucht, sowohl makroskopisch (Typen- und Warenklassifizierung) als auch geochemisch mittels Neutronenaktivierungsanalyse (NAA). Dennoch bleiben wichtige Fragen offen, die durch Dünnschliffanalysen weiter geklärt werden könnten. Insbesondere betreffen diese Fragen bestimmte importierte Keramikgattungen, bei denen die NAA vor allem chemische Einzelstücke (sogenannte "Singletons") identifiziert hat. Petrographische Analysen könnten hier eine genauere geografische Eingrenzung der Herkunftsregionen dieser chemischen Einzelfälle ermöglichen. Dies gilt beispielsweise für die sogenannten kanaanitischen Amphoren, die von der Levanteküste zum Transport von Harzen und Ölen importiert wurden, sowie für minoische Grobkeramik und aus Sardinien importierte nuragische Keramik. Darüber hinaus ist die Petrographie unerlässlich, um die Produktionszentren auf Zypern genauer zu unterscheiden. Derzeit ist die NAA beispielsweise nicht in der Lage, die Produkte der bedeutenden Siedlungen im Golf von Larnaka voneinander zu unterscheiden. Zudem deuten chemische Daten darauf hin, dass handgemachte Kochtöpfe und Backwannen während einer bestimmten Zeitphase aus einer bisher unbekannten Region stammten. Um genau herauszufinden, wo diese Keramik produziert wurde, sind petrographische Untersuchungen notwendig.

Gezielte Ergebnisse

Dieses Projekt wird es ermöglichen, die Art und den Grad der lokalen Produktionsorganisation im spätbronzezeitlichen Pyla detaillierter zu beschreiben und Phänomene der Kenntnisvermittlung sowie Innovation zu identifizieren. Es wird dazu beitragen, regionale Austauschnetzwerke zu rekonstruieren und die Produktionsregion von Kochgeschirr einzugrenzen und zu klären, ob es in dieser Zeit möglicherweise eine zentralisierte Produktion von Kochkeramik für weite Teile der Insel gab. Zudem wird der internationale Handel im Zentral- und Ostmittelmeerraum näher beleuchtet.

Team
  • Ioanna Kotsopoulou (Universität Ghent)
Kooperationen
  • Johannes H. Sterba (TU, Universität Wien)
  • Joachim Bretschneider (Universität Ghent)
  • Jan Driessen (UCLouvain)
Laufzeit

seit 2021

Finanzierung
  • ÖAW Ölzelt-Newin