Die Papyrussammlung Erzherzog Rainer der Österreichischen Nationalbibliothek, seit 2001 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes, zählt mit rund 180.000 Objekten zu den größten und bedeutendsten Sammlungen antiker Schriftzeugnisse weltweit. Sie spiegelt in zehn Sprachen die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Spätantike wider, wobei griechische, koptische und arabische Bestände den Hauptanteil bilden.
Das vorgestellte Forschungsprojekt untersucht die spätantiken Eliten des Arsinoites (Fayum) auf Grundlage der griechischen Papyri. Der regionale Fokus ergibt sich aus der Ankaufsgeschichte der Wiener Papyrussammlung, die zu einem großen Teil auf den sogenannten Ersten Fayumer Fund der 1870er-Jahre zurückgeht.
Im Laufe des 5. Jh. bildet sich in Ägypten eine neue landbesitzende Verwaltungsaristokratie heraus, die ihren Aufstieg einem Patronatsverhältnis mit dem Kaiser zu verdanken hat. Zugleich erscheinen in Ägypten große Grundbesitze auf der Bildfläche, die sich in Händen dieser noblen Familien befinden und sich bis weit in das 7. Jh. nachweisen lassen. Die antike Aristokratie basierte dabei auf Leistung und nicht primär auf Abstammung. Zusätzlich erhielten Mitglieder der Nobilität aufgrund ihrer Bedeutung und ihrer Rolle in der Staatsverwaltung weitere Rangprädikate und Ehrentitel, wie etwa patricius, der höchste vom Kaiser vergebene Ehrentitel, die auch dabei helfen können, diese Personen zu identifizieren. Zu den prominentesten Familien zählt dabei das Haus der Apionen aus dem Oxyrhynchites, dessen komplexe Genealogie die Forschung bis heute beschäftigt.
Diese grundbesitzende Aristokratie übernahm nun wichtige Ämter in der Regional- und Provinzverwaltung und erbrachte damit ihre fiskalischen Verpflichtungen dem Staat gegenüber, von besonderer Bedeutung ist hier der Pagarch, der oberste Beamte der Steuerverwaltung auf Gauebene, der uns in der papyrologischen Dokumentation speziell als Empfänger von Gestellungs- und Enthaftungsbürgschaften begegnet.
Neue Texte aus der Wiener Papyrussammlung ermöglichen es nun, die Beziehungen zwischen den arsinoitischen Eliten und dem Haus der Apionen präziser zu fassen und unser Verständnis der Strukturen der ägyptischen Hocharistokratie erheblich zu erweitern. Prosopographisch liegt der Fokus auf den arsinoitischen Pagarchen und der patricia Sophia und ihrem Umfeld, insbesondere dem patricius Strategios Paneuphemos. Darüber hinaus werden die immobilienbesitzende munizipale Oberschicht, in der Frauen überdurchschnittlich stark vertreten sind, sowie die niedere Verwaltungsaristokratie und auch die Kirche berücksichtigt.