In der späten Mittelbronzezeit (15.–14. Jh. v.u.Z.) unterhielt die Bevölkerung Siziliens Beziehungen zu vielen zeitgleichen Gesellschaften, wie Funde maltesischer, ägäischer, zyprischer und nahöstlicher Provenienz besonders in SO-Sizilien zeigen. Der Projektschwerpunkt liegt auf einer Nekropole in Syrakus und deren regionalem Kontext. Um sowohl die lokale Gesellschaft als auch ihre Außenbeziehungen zu analysieren, werden Bestattungssitten, Ernährung, Mobilität, Lebensbedingungen, Wirtschaft und Sozialstruktur untersucht.

Die sizilianische Mittelbronzezeit (MBZ)

Thapsos in Südostsizilien ist der eponyme Fundort für die in ganz Sizilien verbreitete mittelbronzezeitliche Thapsos-Kulturgruppe (Fazies). Die Ergebnisse von Paolo Orsis Grabungen des späten 19. und frühen 20. Jhs. in Thapsos sowie an anderen Fundorten der Region prägen noch immer unser Bild vom 15./14. Jh. v. u. Z. auf der größten Insel des Mittelmeers. Während der MBZ unterhielten die Bewohner/innen Siziliens Kontakte zu vielen anderen bronzezeitlichen Gesellschaften, wie maltesische, ägäische, zyprische und levantinische Artefakte in den Nekropolen der Thapsos-Fazies belegen. Die Dokumentation geschlossener Grabfunde mittels stratigraphischer Ausgrabungen sowie die archäometrische Analyse von Artefakten und Menschenknochen gehören zu den großen Forschungslücken der MBZ und späterer bronzezeitlicher Perioden auf Sizilien.

Die Felskammergräber in Syrakus und Thapsos

Schwerpunktmäßig beschäftigt sich das Projekt mit einer mittelbronzezeitlichen Kammergrabnekropole im Archäologischen Park der Neapolis von Syrakus und mit der bekannten zeitgleichen Nekropole von Thapsos, die 10 km weiter nördlich an der Küste liegt. Beide Nekropolen zeichnen sich durch ostmediterrane Importe und eine beträchtliche Varianzbreite lokaler Beigaben aus. Hier können Grabkontexte mittels neuer archäologischer Grabungen und der Bearbeitung von Fundkomplexen der letzten Jahrzehnte untersucht werden, um Bestattungssitten, Ernährung, Lebensbedingungen, Wirtschaft und Sozialstruktur zu untersuchen.

Methodik

Die Grabarchitektur wird vermessen und detailliert beschrieben, aus Fotos errechnete 3D-Modelle werden erstellt, und jedes Grab wird topographisch kartiert. Typologische Analysen der lokalen Keramik, Metallobjekte und mykenischen Importe ermöglichen die historisch-archäologische Datierung, und 14C-Daten ergänzen die absolute Chronologie. Die Methoden der physischen Anthropologie erbringen im Zusammenspiel mit proteomischer Geschlechtsidentifikation, aDNS-Danalysen, Untersuchungen zu Ernährung und Mobilität mittels der Analyse stabiler Isotopen (einschl. Laserablation) Daten zu den biologischen Merkmalen der Bestatteten, während Hypothesen zu den sozialen Verwandtschaftsstrukturen der Bronzezeit mittels sozialanthropologischer Ansätze zu verifizieren sind. Archäologische und petrographische Untersuchungen, Element- sowie Isotopenanalysen von Keramik und Metallobjekten liefern Informationen zu Produktion und Produktentausch. Das weiteren gewähren zoologische Untersuchungen von Tierknochen, Analysen stabiler Isotopen an Tierzähnen und organischer Rückstände an Keramik Einblick in die Subsistenzproduktion sowie in Konsumpraktiken.

Projektleitung
Kooperationen
  • Anita Crispino (Parco Archeologico di Siracusa, Eloro, Villa del Tellaro e Akrai)
  • Adrià Breu (Universitat Autònoma de Barcelona, Institut de Ciència i Tecnologia Ambientals)
  • Jan Cemper-Kiesslich (Paris Lodron Universität Salzburg, FB Gerichtsmedizin, Abteilung forensische Molekularbiologie, FB Altertumswissenschaften)
  • Susanna Cereda (Universität Innsbruck, Institut für Archäologien)
  • Sabina Cveček (ÖAI)
  • Gerhard Forstenpointner (Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Morphologie)
  • Pamela Fragnoli (ÖAI)
  • Frank Maixner (EURAC Research, Institut für Mumienforschung)
  • Moritz Numrich (Universität Wien, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik)
  • Walther Parson (Medizinische Universität Innsbruck, Institut für Gerichtliche Medizin)
  • Ernst Pernicka (Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH)
  • Alistair Pike (University of Southampton, School of Humanities, Department of Archaeology)
  • Bebelyn Placiente Robedizo (Hässleholm, Schweden)
  • Fabian Kanz (Medical University of Vienna, Center for Forensic Medicine)
  • Roberto Risch (Universitat Autònoma de Barcelona, Departament de Prehistòria)
  • Annalisa Rumolo (Neapel, Italien; dem ÖAI assoziiert)
  • Johannes Sterba (TRIGA Center Atominstitut)
Laufzeit

07/2024–06/2027

Finanzierung

FWF-Projekt PAT 1177724