Die Stadtforschung in Ephesos versteht sich als interdisziplinäres Forschungsfeld und umfasst Themen wie Urbanisierung, räumliche Organisation, Architektur, Infrastruktur, soziale und wirtschaftliche Dynamiken sowie Umweltaspekte. An mehreren neuralgischen Punkten in Ephesos werden daher Feldforschungen durchgeführt, um urbane Prozesse in ihrer gesamten Tiefe analysieren zu können.

Sog. Koressisches Tor

Seit dem Jahr 2024 erforscht das Österreichische Archäologische Institut eine zwischen dem Stadion und der Terrasse östlich des Vediusgymnasiums gelegene Toranlage. Das Monument, das wahrscheinlich als das sog. Koressische Tor identifiziert werden kann, nimmt eine Schlüsselposition im städtischen Gefüge ein. Zusammen mit den Hafentoren, die den Zugang zur Stadt vom Meer aus markieren, und den Stadteingängen im Westen (unterhalb des sogenannten Paulusgefängnisses) sowie im Südosten (Magnesisches Tor) bildet das Koressische Tor einen wichtigen Knotenpunkt in der Topografie von Ephesos. Obwohl es nicht das größte bekannte Stadttor ist, befindet es sich an der Stelle, an der wichtige Verkehrswege in die Stadt Ephesos münden. Die bedeutende Rolle des Koressischen Tors wird durch die Salutaris-Inschrift (IvE 27) aus dem Jahr 104 n. Chr. belegt. Diese Inschrift enthält eine präzise Beschreibung der Stiftung von Gaius Vibius Salutaris. Die Stiftung umfasste unter anderem eine wiederkehrende Prozession und Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Artemis. Die Prozession fand ihr glanzvolles Ende am Koressischen Tor.

Die aktuellen Forschungen beinhalten nicht nur chronologische und architektonische Fragen, sondern fokussieren auch auf die vielschichtige Rolle des Stadttors in der Stadtplanung und -nutzung sowie als Übergangsort zwischen Stadt und Umland.

Sog. Serapeion

Das Serapeion am Fuße des Bülbüldağ in Ephesos ist eines der eindrucksvollsten und zugleich rätselhaftesten Monumente der antiken Stadt. Errichtet noch vor der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., stellt der Bau als größter monolither Tempel in Kleinasien nicht nur einen architektonischen Höhepunkt der römischen Kaiserzeit dar, sondern wirft auch eine Reihe von Fragen auf, die die Forschung seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigen: Warum wurde dieser prächtige Tempel errichtet? Welche Gottheit wurde darin verehrt? Und welche Bedeutung hatte der Tempel im Stadtbild von Ephesos? Unsere Untersuchungen nähern sich diesen Fragen mit einem interdisziplinären Ansatz an, der archäologische, bauhistorische und historische Methoden vereint.

Projektleitung
Kooperationen
Laufzeit
  • seit 2024 (Koressisches Tor)
  • seit 2011 (Serapeion)
Finanzierung
  • ÖAW-ÖAI
  • FWF-Einzelprojekte International PIN3399025 (Serapeion, 2026–2028)