Dieses Projekt baut auf einem früheren ÖAI-Projekt zu römischer Keramikproduktion im Grenzgebiet von Moesia Inferior und Thracia auf. Ziel ist es, die Herkunftsbestimmung bzw. das ‚Fingerprinting‘ lokaler Keramik in den Donau- und Balkanprovinzen des Römischen Reiches zu präzisieren. Hierzu wird die Materialdatenbank lokaler Produktionen in Moesia, Dacia, und Thracia erweitert und es werden verschiedene archäometrische Methoden verglichen.

Ausgangssituation

Das vorliegende Projekt baut auf einem FWF-ESPRIT Projekt auf, das von der Projektleitung von 2022–2025 am ÖAI durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurden erstmals die römischen Keramikproduktionen von Varbovski Livadi, Butovo, Pavlikeni, und Hotnitsa in der Grenzregion der römischen Provinzen Moesia Inferior und Thracia im heutigen Nordbulgarien (Central Danubian Plain) umfassend untersucht.

Die genannten Produktionsstätten stellten in der Zeit vom 2.–4. Jahrhundert n. Chr. hauptsächlich red slip ware und cooking ware, also Gefäße für die Zubereitung, den Verzehr, und die Lagerung von Speisen und Getränken, her. Eine differenzierte typo-chronologische und archäometrische Charakterisierung dieser Keramik sowie eine präzise Herkunftsbestimmung innerhalb der regionalen Produktions- und Distributionssysteme war bislang jedoch ein Forschungsdesiderat.

Auf Grundlage einer umfassenden Datenbank von Material aus den Depots der Produktionsfundstellen und durch die Kombination von Petrographie und Neutronenaktivierungsanalyse konnten wesentliche Fortschritte bei der Erstellung spezifischer ‚Fingerprints‘ der vier lokalen Produktionen erzielt werden, die auf einer charakteristischen Kombination von Rohmaterial und Magerung basieren. Die entwickelten vorläufigen Fingerprints von Varbovski Livadi, Butovo, Pavlikeni, und Hotnitsa wurden anschließend auch auf red slip ware und cooking ware Funde aus sechs umliegenden Kosumentensiedlungen (Nicopolis ad Istrum, Novae, Kozlovets, Gorna Lipnitsa, Radanovo, Lyaskovets) angewandt. Durch die Identifizierung der Produktionen in den ausgewählten Siedlungen wurden erste Hinweise auf die Funktionsweise regionaler Distributionsnetzwerke geliefert.

Ziele und Methodik

Das Folgeprojekt verfolgt nun aufbauend auf den methodischen Ansätzen und Ergebnissen des Vorgängerprojekts zwei zentrale Forschungsziele.

Zum einen werden zusätzliche archäometrische Methoden hinsichtlich ihres Potenzials zur weiteren Differenzierung der geologischen und geochemischen Fingerprints der Produktionen von Varbovski Livadi, Butovo, Pavlikeni, und Hotnitsa untersucht. XRD, SEM und experimental refiring können dazu beitragen, die vier lokalen Produktionen deutlicher voneinander abzugrenzen, was sich sowohl auf den Nachweis unterschiedlicher technologischer Aspekte als auch auf eine Präzisierung der bereits vorliegenden Daten zur Elementkomposition beziehen kann.

Zum anderen wird die Übertragbarkeit des kombinierten Ansatzes von Petrografie und NAA überprüft, indem die bestehende Datenbank durch die Aufnahme von red slip ware und cooking ware aus weiteren lokalen Produktionen im Donau- und Balkanraum erweitert wird. Untersucht werden dabei Produktionen aus benachbarten Regionen, was dezidiert die für fundierte Herkunftsanalysen erforderlichen Referenzdatensätze beträchtlich vergrößert. Hierfür wird Material aus den Fundstellen Troesmis (östliches Moesia Inferior, pontischer Raum), Yurta-Stroyno (Thracia südlich der Stara Planina), und Porolissum (Dacia Porolissensis) ausgewählt. Die Zusammenführung der Ergebnisse beider Projektschwerpunkte wird ermöglichen, best-practice Modelle für archäometrische Untersuchungen lokaler Keramik im römischen Donau- und Balkanraum zu diskutieren.

Projektleitung
Kooperationen
  • Kalin Chakarov (Регионален исторически музей – Велико Търново)
  • Petra Tušlova (British School at Athens – Karls-Universität Prag)
  • Vlad Lăzărescu (Institutul de Arheologie şi Istoria Artei Cluj Napoca)
  • Agnieszka Tomas (Universität Warschau)
Laufzeit

09/2026–02/2030

Finanzierung
  • FWF (Einzelprojekt PAT2752925)