Die größte Blütezeit Aigeiras fällt zweifellos in die hellenistische Epoche. Ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. veränderten umfangreiche Bauprogramme das Stadtbild grundlegend und führten zu einer nachhaltigen Monumentalisierung der öffentlichen Räume. Diese Entwicklung legte den Grundstein für Aigeiras Rolle als bedeutendes urbanes Zentrum im nördlichen Peloponnes.

Vom späten 4. bis zum frühen 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Aigeira durch umfassende Bauprogramme grundlegend umgestaltet. Gleichzeitig wurden die öffentlichen Bereiche der Stadt monumental ausgebaut. Das östliche Plateau der Akropolis wurde erheblich erweitert und mit einer neuen Befestigungsanlage versehen.

Der Bereich des Theaters

Ab der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. entstanden im heutigen Theaterareal das Theater sowie weitere Gebäude. Dieses Gebiet zählt zu den bedeutendsten öffentlichen Räumen Aigeiras und ist zugleich der bekannteste Bereich der antiken Stadt. Bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. befanden sich hier mindestens zwölf Gebäude, die jedoch nicht alle gleichzeitig genutzt wurden. Dazu gehörten ein Peripteraltempel sowie mindestens fünf kleinere Kultbauten (Naiskoi). Zusammen bilden sie eines der bemerkenswertesten architektonischen Ensembles des hellenistischen Peloponnes. Das Theaterareal blieb bis in die mittlere Kaiserzeit eines der wichtigsten öffentlichen Zentren der Stadt. Erst im 4. und 5. Jahrhundert wandelte sich seine Funktion, als ehemalige öffentliche und religiöse Gebäude aufgegeben oder zu Werkstätten umgebaut wurden.

Ein aktuelles Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, dieses bedeutende öffentliche Zentrum mithilfe von 3D-Modellen besser zugänglich und räumlich erfahrbar zu machen.

Die Stadtmauer und die Wasserleitung gehörten zu den weiteren großen Bauprojekten der hellenistischen Zeit. Beide waren angesichts der politisch instabilen Verhältnisse des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. von zentraler Bedeutung. Die Befestigungsanlage umschließt ein Areal von etwa 50 Hektar und besitzt eine Gesamtlänge von rund 3 Kilometern.

Hellenstisches Gästehaus und Münzschatz

Auf einer Terrasse unmittelbar nördlich unterhalb der Akropolis wurde Anfang der 2000er-Jahre ein Gebäudekomplex mit einem bedeutenden Mosaik freigelegt, der vermutlich in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Wahrscheinlich diente er als Gästehaus für offizielle Gesandtschaften. Der Komplex mit mehreren Bauphasen liegt östlich einer der wichtigsten Nord-Süd-Straßen, die den nördlichen Stadtbereich mit der Akropolis und dem südlichen Teil Aigeiras verband.

Zu den herausragenden Funden aus diesem Gebäude zählt ein Hort von nahezu 600 Silbermünzen. Vermutlich wurde er während des von Polybios überlieferten aitolischen Angriffs des Jahres 219 v. Chr. unter dem Fußboden verborgen, um ihn vor den Eindringlingen zu schützen.

Aktuelle Forschungen westlich dieser Straße haben Gebäudereste auf vier unmittelbar an die Straße angrenzenden Terrassen freigelegt. Dazu gehört ein gut erhaltener Bau mit Korridoren, Räumen und Installationen, die auf handwerkliche Tätigkeiten schließen lassen. Der Komplex dürfte in das späte 4. Jahrhundert v. Chr. datieren und stand wahrscheinlich in engem funktionalem Zusammenhang mit dem Gästehaus.

Im Gegensatz zum repräsentativen Charakter des Gästehauses scheint der Bereich westlich der Straße eine Bebauung der nicht-elitären Bevölkerung widerzuspiegeln. Hier vereinten sich Wohn-, Gemeinschafts- und Handwerksfunktionen entlang einer der wichtigsten Verkehrsachsen Aigeiras.

Stadtsurvey

Die bisherige Forschung konzentrierte sich vor allem auf einzelne öffentliche und sakrale Gebäude in ausgewählten Bereichen der Stadt. Während insbesondere das Theaterareal gut untersucht ist, ist über das Alltagsleben der rund 50 Hektar großen hellenistischen und römischen Stadt bislang wenig bekannt.

Ein gemeinsam mit der Ephorie für Altertümer in Achaia durchgeführtes Surveyprojekt hat deshalb das Ziel, die urbane Struktur Aigeiras umfassender zu dokumentieren. Im Mittelpunkt steht die langfristige Entwicklung der Stadtstruktur. Eine zentrale Fragestellung ist, wie sich die archaisch-klassische Siedlung zur neu angelegten hellenistischen »Unterstadt« verhält. Obwohl über die frühere Besiedlung bislang nur wenig bekannt ist, scheint die hellenistische Unterstadt nach einem regelmäßigen Plan angelegt zu sein. Darauf deutet die Ausrichtung der heute noch sichtbaren Baustrukturen nach den Himmelsrichtungen hin. Gezielte Feldbegehungen und geophysikalische Untersuchungen sollen Aufschluss über die Bebauungsdichte, das Straßennetz sowie die Verteilung von Wohn-, Handwerks- und öffentlichen Bereichen geben.

Grabung Solon: Projektleitung
Laufzeit

seit September 2019

Finanzierung
  • ÖAW-ÖAI
  • FWF
Befestigungsmauer: Projektleitung
Team
  • Federica Iannone
Laufzeit

seit 2016

Finanzierung
  • ÖAW-ÖAI
  • FWF
Team
  • David Scahill
  • Christina Marini
  • Matthias Bücker
  • Ercan Ercul
Finanzierung
  • ÖAW-ÖAI
  • FWF
  • Ephorie für Altertümer in Achaia (Patras)