Eine ausgedehnte späthelladische Siedlung in Aigeira mit einem Zentrum auf dem Gipfelplateau der Akropolis – der oberen Akropolis – und einer weitläufigen »Unterstadt« – der unteren Akropolis – wurde durch einen verheerenden Brand zerstört und anschließend mit neuen Befestigungsanlagen wieder aufgebaut. Sie bietet seltene Einblicke in Krisenbewältigung, Resilienz und städtische Organisation in der Endphase der Bronzezeit. Bereits die Ausgrabungen der 1970er- und 1980er-Jahre unter der Leitung von Wilhelm Alzinger und seinem Team belegten die Existenz eines bedeutenden mykenischen Zentrums der Spätbronzezeit auf dem Gipfelplateau – der oberen Akropolis.
Seit den 2010er-Jahren konnte die Existenz einer ausgedehnten bronzezeitlichen »Unterstadt« auf der unteren Akropolis nachgewiesen werden. Nach heutigem Kenntnisstand bildete das Gipfelplateau der oberen Akropolis das Zentrum einer größeren Siedlung, die sich über die gesamte untere Akropolis – also über das östliche und südliche – erstreckte und eine Fläche von bis zu 12.000 m² umfasste.
Sowohl auf dem Gipfel der Akropolis als auch in der »Unterstadt« wurden Spuren eines massiven Brandzerstörungshorizonts festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass große Teile, möglicherweise sogar die gesamte mykenische Siedlung einschließlich ihres Zentrums auf der oberen Akropolis, von demselben Brandereignis betroffen waren. Als eine Art Zeitkapsel bewahrt diese Zerstörungsschicht einen Moment des Lebens unmittelbar vor der Katastrophe und liefert außergewöhnliche Einblicke in den Alltag, die Viehhaltung und die Wirtschaftsweise im bronzezeitlichen Aigeira.
Der Wiederaufbau der Siedlung begann unmittelbar nach der Katastrophe. Die obere Akropolis und vermutlich auch Teile der »Unterstadt« wurden von einer neuen Befestigungsmauer umschlossen, was auf ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis der Bewohner Aigeiras hinweist. Gleichzeitig zeigt der Umfang dieses Bauprojekts, dass die Siedlungsorganisation auch nach dem Brand weiterhin funktionsfähig war und ein derartiges Vorhaben ermöglichen konnte. Bemerkenswerterweise ist Aigeira bis heute der einzige bekannte Fundort auf der Peloponnes, der in dieser späten Phase der Bronzezeit neu befestigt wurde.
Das laufende Forschungsprogramm widmet sich der letzten Phase der bronzezeitlichen Besiedlung und den nachfolgenden Veränderungen, die zur Gründung des frühen Heiligtums geometrisch/archaischer Zeit führten.
seit 2011