Österreichische Frömmigkeit und visuelle Medien in der Frühen Neuzeit
Unter Pietas Austriaca versteht man die als einzigartig propagierte katholische Frömmigkeit des Erzhauses Habsburg, die mit dessen angeblich auserwählter Rolle in der globalen Politik ursächlich zusammenhängt. Was im Kern eine politische Vision mit hoher Signifikanz im Wettstreit unter den europäischen Fürstenhäusern darstellt, hatte nicht zuletzt für die visuellen Medien immense Konsequenzen. Denn die Pietas Austriaca konnte nur in der Weise glaubhaft hergestellt und vermittelt werden, als sie mit einem hohen Grad der Durchdringung in der alltäglichen Lebensrealität, im öffentlichen Raum, in der politischen Propaganda der Dynastie und der mit ihr eng verbundenen sozialen Schichten des Adels und der Kirche präsent war. Dabei spielen die vielfältigen Potentiale der Visualität in Bezug auf Bilder und Texte eine zentrale Rolle.
Auf dieser Basis kommt es in den entsprechenden Untersuchungen zur habsburgischen visuellen Kultur der Frühen Neuzeit ganz wesentlich darauf an, die mit dem dynastischen Frömmigkeitskonzept verknüpften Traditionslinien und Strategien offenzulegen. Es gilt demnach zu zeigen, dass die Pietas Austriaca ein höchst wandlungsfähiges Konglomerat unterschiedlicher Argumentationslinien darstellt, die ihre scheinbare oder reale Überzeugungskraft aus einer engen Verwobenheit politischer und theologischer Topoi beziehen. Essentiell in diesem Zusammengang ist der Umstand, dass dies nicht nur Mitglieder der Dynastie proponierten, sondern unterschiedliche soziale Schichten die Vorstellung von der Auserwähltheit der habsburgischen Dynastie selbständig formulierten und dadurch wiederum Erwartungen hervorriefen.
Die unter diesem Schwerpunkt des Forschungsbereichs versammelten Studien und Projekte zeigen die Fülle der möglichen Anwendungen: Von der habsburgischen Heraldik und Emblematik, der sakralen wie profanen Deckenmalerei über die Rolle der Pietas Austriaca im Kontext des Doing Baroque und des Saint-Making herausragender Heiliger (hl. Johannes von Nepomuk, Felix von Cantalice) bis zu den ephemeren Dekorationen in Sakral- und Stadträumen zeigt sich ein ungemein facettenreiches Bild von Konzepten und Bildkulturen. Die fundamentale Bedeutung der katholischen Wallfahrt in Verbindung zur habsburgischen Dynastie wird in einem Projekt untersucht, das die Typenvielfalt von Druckmedien ebenso wie räumliche Ensembles und Ausstattungsprogramme in die Analyse einbezieht (Salvation Economics and Media). Das projektinterne Tool ITEM erlaubt es zudem, ergänzend Textquellen aufzubereiten und zu durchsuchen.
Auf dieser Basis ist es geplant, zu einer Ausdifferenzierung der seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem von der österreichischen Historikerin Anna Coreth entwickelten Vorstellung der Pietas Austriaca zu kommen und diese im größeren Rahmen struktureller Kontinuitäten und Umbrüche der Frühen Neuzeit zu betrachten.
Laufende Forschungsprojekte
• SALVEMED
• Barocke Deckenmalerei
Kontakt
Univ.-Doz. Dr. Werner Telesko, w.M.
