Die digitale Transformation unserer Gesellschaft schreitet rasch voran. Dies verändert unser tägliches Leben und beeinflusst nicht nur die Art und Weise, wie wir mit Bildern, Texten und Objekten der Vergangenheit und Gegenwart umgehen, sondern auch die kunsthistorische Forschung. Denn computationale Methoden, die stark rechnerisch operieren und zunehmend durch Künstliche Intelligenz (KI) und vor allem Large Language Models (LLMs) angetrieben werden, haben einen disruptiven Wandel angestoßen, dessen Tragweite gegenwärtig kaum abzuschätzen ist. 

Dem Forschungsbereich Kunstgeschichte ist es daher ein Anliegen, die digitale Transformation unserer Gesellschaft reflektiert zu begleiten, sowohl was die Erkundung neuer Methoden und Möglichkeiten als auch damit einhergehende rechtliche und ethische Herausforderungen angeht. 

Dies betrifft insbesondere drei Bereiche:
1) Übersetzung analoger Objekte in den digitalen Raum: Hierunter fallen etwa Scans, 3D-Modelle, digitale Rekonstruktionen oder Transkriptionen. Im Zuge solcher Übersetzungsprozesse materieller Formen in maschinenlesbare Daten gehen notwendigerweise Informationen verloren, gleichzeitig erlangen wir aber neue Möglichkeiten zur Analyse und Präsentation der Objekte. Es gilt, Lösungen zu finden, die auf die jeweilige Materialität und Fragestellung bestmöglich zugeschnitten sind.
2) Computergestützte Analyse: Die rasant zunehmende Verfügbarkeit digitaler Daten zu kunsthistorisch relevanten Objekten eröffnet eine Vielzahl neuer Analysemöglichkeiten. Mittels Algorithmen, aber auch relationaler oder Graph-Datenbanken lassen sich die Objekte leichter durchsuchen, übersichtlicher organisieren sowie ihre Gemeinsamkeiten, Unterschiede oder Abhängigkeiten identifizieren. Wir streben danach, diese Möglichkeiten zu explorieren und zu erweitern. 
3) Präsentation der Forschungsergebnisse: Von Websites über Datenbanken, bis hin zu Blogs, Vlogs, Podcasts und interaktiven Formaten, der digitale Raum erlaubt uns, Inhalte in unzähligen Formen zu veröffentlichen. Auch die Verschriftlichung der Ergebnisse durchläuft in allen wissenschaftlichen Disziplinen durch KI gerade einen tiefgreifenden Wandel. Auch diesbezüglich gilt es, rechtlich und ethisch vertretbare Lösungen zu finden, die das wissenschaftliche Fachpublikum informieren, eine breitere Öffentlichkeit erreichen, gleichzeitig aber auch umsetzbar sind.

 

Im Prinzip befassen sich alle Projekte am Forschungsbereich mit diesen Herausforderungen. Ein besonderes Anliegen ist uns zudem, neue Möglichkeiten und Methoden zu erkunden, die durch maschinelles Lernen und KI neue Wege eröffnen. Im Zuge des Projekts Ottoman Nature in Travelogues (ONiT) wurden beispielweise bereits ca. 20.000 Bilder aus Reiseberichten über das Osmanische Reich im Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek voll automatisiert extrahiert, mit Hilfe maschinellen Lernens durchsuchbar sowie mittels des ONiT-Explorers der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Ergebnisse und daraus resultierenden Erkenntnisse werden fortlaufend reflektiert. Zudem beteiligen wir uns aktiv an der ÖAW-weiten Themenplattform Maschinelles Lernen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (MLA2S).