Im Zentrum steht der bislang unerschlossene Diafotobestand des jüdischen Wiener Journalisten, Fotografen und Reisereporters Kurt Seliger (1921-1999), der seine Reisen nach Albanien in den Jahren 1956 und 1957 dokumentiert. Die Diafarbfotografie war zum Zeitpunkt der Aufnahmen eine noch junge Praxis, die durch die Aufnahmetechnik und im sozialen Akt der gemeinsamen Bildbetrachtung (Diashows) ihre Wirkung entfaltete. Die Fähigkeit, gestochen scharfe und prächtige Farbabbildungen zu erzeugen, trug wesentlich zu ihrer Verwendung in der Reisefotografie und zu öffentlichen Präsentationszwecken bei. 

Seligers Sammlung ermöglicht erstmals eine historische und kulturwissenschaftliche Analyse von Funktionen, Bildmuster und Bedeutungen der Diafarbfotografie in Österreich nach 1945 – mit einem besonderen Fokus auf das sozialistische Albanien als Sujet und als Projektionsfläche westlicher Wahrnehmungsmuster. Die Dias werden in Beziehung gesetzt zu weiterem Fotomaterial (S/W Abzüge und Negative, Farbnegative) aus der Sammlung, die Seligers Reisen 1956 und 1957 dokumentieren. Die Analyse verspricht neue Einsichten in die visuelle Kultur des kommunistischen Albaniens, in die Rolle der Fotografie bei der Konstruktion sozialistischer Fortschrittsnarrative und 'exotischer' fremder Welten sowie in die bislang unerforschte Geschichte des Farbdias im österreichischen Kontext. 

Kontakt

Dr. Vida Bakondy


Laufzeit

September 2025 bis Februar 2026


Finanzierung

Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)