Die vielseitige und hochgebildete Frau aus illustrer Familie führte im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur einen der wichtigsten künstlerischen Salons. Sie trat auch entschieden für die Rechte der Frauen ein – wobei sie es nicht bei Worten beließ, sondern praktisch tätig wurde.
Auguste Wilhelmine Bischoff kam am 13. Februar 1819 als Tochter des aus Kremsmünster stammenden Arztes Ignaz Rudolf Bischoff, später Edler von Altenstern, und dessen Ehefrau Johanna, geb. Kuh, in Prag zur Welt. Ihr Vater bekleidete dort ab 1813 als Professor an der Universität, Direktor der Zweiten Medizinischen Klinik und Chefarzt im Allgemeinen Krankenhaus höchste Positionen im medizinischen Bereich. 1826 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Ignaz Bischoff am Josephinum, der medizinisch-chirurgischen Militärakademie, zunächst eine Stelle als Professor der speziellen Pathologie antrat. Ab 1833 hatte er die Lehrkanzel für Physiologie inne und stieg zum obersten Feldarzt der Armee des Kaisertums Österreich auf. Die 1874 benannte Bischoffgasse in Wien-Meidling führt seinen Namen.
Auch Augustes Mutter blieb keineswegs untätig. Als Johanna von Bischoff veröffentlichte sie mehrere Bücher, zudem trat sie als Wohltäterin auf und zeichnete als Stifterin etwa für die Errichtung des von ihrer Tochter initiierten Frauenheims in Meidling mitverantwortlich, das durch eine Umwidmung der ehemaligen Familienvilla entstand. Bereits dort hatte die Familie Bischoff einen regen Salon unterhalten, in dem bekannte Persönlichkeiten wie der Maler Friedrich Ritter von Amerling, der Schriftsteller und Dramaturg Heinrich Laube oder der Astronom Joseph Johann von Littrow mit seinem Sohn Karl Ludwig verkehrten.
Auguste genoss schon von klein auf eine umfassende Ausbildung mit teils prominenten Lehrern. So erhielt sie in ihrem Elternhaus gemeinsam mit ihrer Schwester Luise Zeichenunterricht vom Maler Josef Danhauser. Später galt sie als eine der „gebildetsten und lernfrohesten Frauen Wiens“, wie der Germanist Karlheinz Rossbacher 2003 anmerkt.
Kurz nach ihrem zwanzigsten Geburtstag heiratete Auguste 1839 den ihr aus dem elterlichen Umfeld bekannten Karl Ludwig von Littrow. Dieser hatte ebenso wie sein Vater Astronomie studiert und wurde 1842 Direktor der Wiener Universitätssternwarte sowie Professor der Astronomie an der Universität Wien. 1870/71 bekleidete er an Letzterer das Amt des Rektors. Das Ehepaar hatte fünf Kinder. Ella, die Älteste, wurde im Mai 1841 in Wien geboren; sie heiratete später den Physiker Victor von Lang, der von 1915 bis 1919 als Präsident der Akademie der Wissenschaften amtierte, und reüssierte als Portraitmalerin. Sohn Otto, geboren 1843, entwickelte ein nach ihm benanntes Spektrometer, ehe er 21-jährig an Typhus verstarb. Ein von Danhauser vom Ehepaar von Littrow im Jahr 1841 angefertigtes Ölgemälde zeigt Auguste bezeichnenderweise mit einem aufgeschlagenen Buch in Händen.
Wie bereits ihre Eltern führte auch Auguste von Littrow mit ihrem Ehemann einen Salon, in dem sich bedeutende Persönlichkeiten aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Leben einfanden und der sich zu einem Treffpunkt des Wiener Geisteslebens entwickelte. Hier wurden, wie Friedrich Hebbel es formulierte, „Freund und Feind zusammen[ge]würfelt“, wobei sich Auguste als Meisterin des Smalltalks erwies: Immer wieder betont wird ihre Fähigkeit, Menschen miteinander bekannt zu machen und die Gespräche mit Informationen über die jeweilige Person, ihre Arbeits- und Interessensschwerpunkte geschickt einzuleiten.
Zu den regelmäßigen Gästen im Hause Littrow zählten, neben dem bereits erwähnten Friedrich Hebbel, die Schriftsteller:innen Marie von Ebner-Eschenbach, Ernst Freiherr von Feuchtersleben und Franz Grillparzer, von dem Augustes Tochter Ella ein bekanntes Porträt anfertigte. Im Salon verkehrten auch der Schauspieler Josef Lewinsky, der Philologe und Schulreformer Hermann Bonitz, der Maler August Eisenmenger sowie Goethes Schwiegertochter Ottilie von Goethe, die ebenfalls als Schriftstellerin tätig war. Grillparzer, mit dem Auguste seit ihrem Kennenlernen 1863 eine herzliche Freundschaft verband, bezeichnete sie scherzhaft als „Frau Astronomus“. Ihn erlebte sie nicht nur als den oft als missmutig beschriebenen Zeitgenossen: „Sein lautes Lachen, sein spöttisches, sein schalkhaftes Lächeln theilte sich den ihn Umgebenden schnell mit und stimmte zur Munterkeit, während die beinahe trübsinnige Atmosphäre seines Temperamentes niemals mit bleierner Schwere auf seinem Kreise lastete, wie dies bei ähnlich gearteten Charakteren oft der Fall ist“, erinnerte sie sich.
Nicht nur der Salon war Auguste von Littrow wichtig. Sie war auch eine Vorkämpferin für die Rechte der Frauen. Am 2. Juni 1866 gründete sie mit Mitstreiterinnen wie der aus einer sächsischen Juristenfamilie stammenden und mit dem Burgtheaterdirektor Heinrich Laube verheirateten Iduna Laube oder Helene von Hornbostel, Ehefrau des Wiener Seidenfabrikanten und Bankfachmanns Theodor von Hornbostel, den Wiener Frauenerwerbsverein, der sich die Förderung der Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten von Frauen zum Ziel setzte. Ab 1873 wurden die vom Verein angebotenen Kurse in dem zu diesem Zweck erworbenen Haus in der Rahlgasse 4 (6. Wiener Gemeindebezirk) abgehalten. 1910 zog dort die erste gymnasiale Mädchenschule in Wien ein (heute BRG 6 / Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Rahlgasse).
Im Jahr 1881 tat sich Auguste bei einer weiteren Vereinsgründung hervor: Der von ihr initiierte Verein Wiener Frauenheim sollte alleinstehenden, mittellosen, gebildeten Frauen eine feste Unterkunft sowie gesicherte Verpflegung bieten und zielte darauf ab, von der Altersarmut bedrohte bzw. in diese geschlitterte gebildete Frauen vor Obdachlosigkeit zu bewahren. Das erste Altersheim des Vereins entstand in der ehemaligen Sommervilla ihrer Familie in Wien-Meidling (heute Frauenheimgasse 2). 1906/07 wurde ebendort ein großzügiger Neubau errichtet. Auch heute wird das Objekt als Seniorenheim genutzt, es gilt als die älteste noch bestehende Einrichtung dieser Art in Österreich.
Auch publizistisch widmete sich Auguste unter ihrem Pseudonym Otto August der Frauenfrage. 1868 legte sie eine Arbeit zur „Sozialen Bewegung auf dem Gebiete der Frauen“ vor, in der sie die bildungsspezifische und berufliche Benachteiligung der Frauen wortreich anprangerte: „Die Unfähigkeit der Frauen, unter den gegenwärtigen Bedingungen ihrer Erziehung und ihres Unterrichtes durch Arbeit einen ehrlichen Erwerb zu finden, erzeugt aber in den untern und ärmern Schichten der Bevölkerungen ein Elend, das in immer größern Dimensionen den verderblichsten und schädlichsten Einfluß auf jene allgemeine Sittlichkeit übt, durch deren Verfall Völker und Reiche untergehen, und es ist um so mehr die Aufgabe moderner Bildung, dem Uebel nach Kräften abzuhelfen [...].“ 1872 veröffentlichte sie die Broschüre „Die Krankenpflege durch Frauen mit Rücksicht auf gegenwärtige Verhältnisse“, daneben verfasste sie ein Erinnerungsbuch an Grillparzer („Aus dem persönlichen Verkehre mit Franz Grillparzer“, 1873) sowie verschiedene Artikel und autobiografische Beiträge in Tageszeitungen („Neue Freie Presse“) und Zeitschriften („Westermanns Monatshefte“). Die „Neue Freie Presse“, in deren Feuilleton sie publizierte, attestierte ihr eine „reiche literarische Begabung“.
Auguste von Littrow starb am 23. März 1890 in ihrer Wohnung in der Weihburggasse 9 im 1. Wiener Gemeindebezirk. Teilnachlässe finden sich in der Wienbibliothek im Rathaus sowie im Wiener Stadt- und Landesarchiv.
Literatur: M. Friedrich, in: Studien zur Wiener Geschichte 47–48, 1991–92, S. 263ff.; G. Scalmani – M. Friedrich, in: Bürgerliche Frauenkultur im 19. Jahrhundert, 1995, S. 175ff.; A. Scheider, Auguste und Carl von Littrow. Detailstudie einer bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts, phil. Diss. Wien, 1999; K. Rossbacher, Literatur und Bürgertum. Fünf Wiener jüdische Familien von der liberalen Ära zum Fin de Siècle, 2003, S. 102; G. Wedel, Autobiographien von Frauen. Ein Lexikon, 2010, S. 510f.; W. Schütz, in: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, Nr. 78, 2022, S. 8ff.; biografiA, Wien Geschichte Wiki (Zugriff jeweils 11. 7. 2025).
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