Ottokar aus der Gaal

Die Steierische Reimchronik

Pavlína Rychterová, Lukas Steger

Das Projekt widmet sich der modernen englischen Übersetzung und einer historischen Kontextualisierung der Steirischen Reimchronik des Ottokar aus der Gaal, einem der bedeutendsten Werke spätmittelalterlicher Geschichtsschreibung im deutschsprachigen Raum. Die zwischen etwa 1300 und 1320 entstandene Chronik umfasst rund 95.000 Verse und zeichnet sich durch ihren erzählerischen Reichtum, ihre farbige Sprache und ihre detaillierte Darstellung politischer Ereignisse in Österreich, der Steiermark und Mitteleuropa aus. Ottokars Werk bietet nicht nur eine wertvolle Quelle zur Regionalgeschichte, sondern spiegelt auch die politischen Spannungen und kulturellen Entwicklungen einer Übergangszeit zwischen Hoch- und Spätmittelalter wider. Zugleich zeigt es, wie Geschichtsschreibung, Herrschaftslegitimation und literarische Form eng miteinander verwoben waren.

Die englische Übersetzung wird in der Reihe Central European Medieval Texts der CEU Press erscheinen. Diese Editionsreihe verfolgt das Ziel, zentrale Quellen aus den mittelalterlichen Kulturen Mitteleuropas einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Sie verbindet zuverlässige kritische Editionen und Übersetzungen mit ausführlichen Einleitungen, Kommentaren und Hilfsmitteln. Damit schlägt die Reihe eine Brücke zwischen spezialisierten Forschungsinteressen und einem weiteren Leserkreis, der sich für die Geschichte, Literatur und Kultur Mitteleuropas interessiert.


Přibík Pulkava von Radenín

Chronica Bohemorum

Jan Odstrčilík, Pavlína Rychterová

Das Projekt ist der digitalen Edition der Böhmischen Chronik von Přibík Pulkava von Radenín gewidmet.  Přibík Pulkava von Radenín († 1380) war ein böhmischer Geistlicher, Theologe und Chronist am Hofe Kaiser Karls IV. Als Domherr von Prag und späterer Rektor der Prager Universität stand er in engem Kontakt mit den intellektuellen und politischen Kreisen seiner Zeit. In kaiserlichem Auftrag verfasste er eine umfassende Chronik der böhmischen Geschichte, die bald weit über den Hof hinaus Verbreitung fand. Die Chronica Bohemorum entstand in den 1370er Jahren und bietet eine zusammenhängende Darstellung der böhmischen Geschichte von den legendären Anfängen bis in die Zeit Karls IV. Sie verbindet ältere Erzähltraditionen mit zeitgenössischen Perspektiven und vermittelt ein Bild Böhmens als Teil des Heiligen Römischen Reiches und zugleich als eigenständige, traditionsreiche Herrschaft. Das Werk reflektiert die politischen und kulturellen Leitbilder des 14. Jahrhunderts: die Betonung der dynastischen Legitimität, die christlich-moralische Ausrichtung der Herrschaft und die Rolle Prags als geistiges Zentrum Mitteleuropas. Die Überlieferung der Chronik ist reich und vielfältig. Ursprünglich in Latein verfasst, wurde sie bald in tschechische und deutsche Fassungen übertragen, was ihre große Wirkungsgeschichte und breite Rezeption belegt. Die Handschriften, die in verschiedenen Fassungen und Bearbeitungen vorliegen, zeigen sowohl den höfischen als auch den volkssprachlichen Gebrauch und bezeugen den Stellenwert der Chronik als Leittext der böhmischen Historiographie. Die digitale Edition macht diese vielgestaltige Überlieferung erstmals systematisch zugänglich, erschließt ihre Textvarianten und ermöglicht neue Einblicke in die Geschichtskultur des Spätmittelalters. Die Arbeit an der Edition verfolgt in einer breit angelegten internationalen Kooperation, an der sich das IMAFO ÖAW, Zentrum für mediävistischen Studien und das Institut für tschechische Sprache der Tschechischen Akademie der Wissenschaften beteiligen.