Knihy o zarmúceniech Cierkve svaté | Bücher über die Drangsale der Heiligen Kirche
Pavlína Rychterová
Jan von Příbram († 1448) war ein bedeutender Theologe und Prediger der böhmischen Reformationszeit. Als Vertreter der gemäßigten Utraquisten suchte er nach einem Ausgleich zwischen den radikalen Hussiten und der römischen Kirche. In seinen Schriften und Predigten betonte er kirchliche Einheit, moralische Erneuerung und das Entsagen jegliches Radikalismus. Sein Wirken prägte die religiösen und politischen Auseinandersetzungen im Böhmen des 15. Jahrhunderts nachhaltig. Das Editionsprojekt widmet sich den „Büchern über die Drangsale der heiligen Kirche“, (Knihy o zarmúceniech Cierkve svaté) einem zentralen Werk der auf Tschechisch geschriebenen reformatorischen Literatur des frühen 15. Jahrhunderts. Ziel des Projekts ist es, diesen wichtigen, bislang nur schwer zugänglichen Text in einer wissenschaftlich fundierten, kommentierten Edition neu aufzubereiten. Grundlage bildet die sorgfältige Erschließung der handschriftlichen Überlieferung, ihre kritische Gegenüberstellung und die Bereitstellung eines verlässlichen Textes nach den Standards einer kritischen Edition. Ergänzt wird die Edition durch eine Kontextualisierung innerhalb des böhmischen reformatorischen Diskurses, und um Studien, die den historischen, theologischen und sprachlichen Kontext erschließen. Damit soll das Werk sowohl für die internationale Forschung als auch für eine breitere interessierte Öffentlichkeit sichtbar und nutzbar gemacht werden.
P. Rychterová, Preaching, the Vernacular, and the Laity, in: Companion Hussites
Pavlina Rychterová: Johannes von Přibram: Bücher über die Drangsale der böhmischen Kirche und die Gotteskrieger nach dem Krieg
Jan Odstrčilík
Das Projekt wird der Edition und der historischen Kontextualisierung des Traktates über die Kunst des Selbstlernens gewidmet. De modulo studendi ist ein mitteleuropäisches Handbuch über die Kunst des Selbststudiums. Der Text vermittelt jungen Gelehrten der Universität und in den religiösen Orden praktische Anleitungen, wie sie ihre spirituelle Eigenbildung, bzw. theologisches Studium und sinnvoll strukturieren, den Alltag organisieren und geistige wie moralische Disziplin entwickeln können. Er behandelt Fragen des Zeitmanagements, der Auswahl und Ordnung von Lehrstoffen sowie den Umgang mit Autoritäten und Quellen. Dabei verbindet er praktische Hinweise mit einem klaren moralisch-spirituellen Anspruch: Wissenserwerb dient nicht allein dem Fortschritt im Studium, sondern auch der persönlichen Reifung und der Hinwendung zu Gott. Als Teil der mittelalterlichen Studienkultur bietet das Werk wertvolle Einblicke in die Ideale, Erwartungen und Methoden der Bildung im Spätmittelalter und bezeugt die wachsende Bedeutung eigenverantwortlichen Lernens.
Aliaksandra Valodzina
Auf der Grundlage weitgehend unveröffentlichter textuellen Quellen aus der betreffenden Region untersucht das Projekt die Häresie-Diskurse im Großfürstentum Litauen zwischen dem 14. und frühen 16. Jahrhundert, einer Zeit, die durch Christianisierung, politische Konsolidierung und religiöse Vielfalt gekennzeichnet war. Die Untersuchung berúcksichtigt vier Schlüsselkontexte: das Fortbestehen heidnischer Praktiken und Volksmagie, wobei die kirchliche Rhetorik lokale Glaubensvorstellungen und magische Praktiken oft mit Teufelsanbetung gleichsetzte; politische Rivalitäten, in denen „Ketzerei” als polemische Waffe in Konflikten diente; die Auseinandersetzung mit hussitischen Dissidenten, die die Spannungen zwischen einer populären religiösen Identitätsbildung und den Machtstrategien der Elite widerspiegelte; und die Behandlung orthodoxer Ruthenen, deren Glaube im Rahmen der Bemühungen um eine katholisch-orthodoxe Union als ketzerisch umgedeutet wurde. Methodisch versteht das Projekt die Häresie sowohl als semantisches als auch politisches Konstrukt. Somit beleuchtet die Forschung die komplexen Schnittstellen von Religion, Identität und Autorität und bietet neue Einblicke in die Dynamik der Christianisierung und der interkonfessionellen Beziehungen im spätmittelalterlichen Osteuropa.