Women's Reproductive Agency in the Eastern Roman Empire

Das FWF ESPRIT-Projekt „Fertility Control in Byzantium: Women's Reproductive Agency in the Eastern Roman Empire (330–1204 CE)“ (ESP8696124) stellt Fertilitätskontrolle und reproduktive Entscheidungen als zentrale Zugänge zur Erweiterung unseres Verständnisses verschiedener Aspekte des Lebens und der Handlungsmöglichkeiten von Frauen in Byzanz in den Vordergrund.
Das Projekt behandelt grundlegende Fragen zur Fertilitätskontrolle, beginnend mit linguistischen, lexikalischen und diskursiven Aspekten (Wie wurden Praktiken der Fertilitätskontrolle im Oströmischen Reich konzeptualisiert und diskutiert?), über medizinische Aspekte (Wer praktizierte Fertilitätskontrolle und wie?), bis hin zur Erforschung individueller und gesellschaftlicher Wahrnehmungen (Welche ethischen, moralischen und rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflussten die Einstellung zur Fertilitätskontrolle in der byzantinischen Gesellschaft?). Eine weitere zentrale Frage, die dieses Projekt leitet, ist, ob es möglich ist, die Wahrnehmungen und Erfahrungen von Frauen durch die Linse männlich verfasster Texte zu erschließen.

Der Ansatz beinhaltet eine sorgfältige Untersuchung griechischsprachiger Primärquellen aus der Zeit von 330 bis 1204 n. Chr., darunter medizinische Abhandlungen, Rechtstexte, liturgische Schriften, Hagiographien und astronomische Texte. Darüber hinaus wird auch die materielle Kultur berücksichtigt, insbesondere die sogenannten „Uterus-Amulette“, rätselhafte Objekte, die mit dem Versuch von Frauen in Verbindung gebracht wurden, ihre reproduktiven Funktionen zu kontrollieren.
Da die Forschung zur reproduktiven Gesundheit von Frauen in Byzanz—insbesondere in Bezug auf deren Bestrebungen, eine Schwangerschaft zu vermeiden oder abzubrechen—bisher begrenzt war, stellt dieses Projekt einen wichtigen Schritt hin zu einem tieferen Verständnis der Praktiken der Fertilitätskontrolle und der Handlungsmöglichkeiten von Frauen in Byzanz dar. Durch diesen Fokus verspricht es, neue Erkenntnisse zur Frauengeschichte, zur Medizingeschichte und zur Sozialgeschichte zu liefern.

Kooperationspartner

  • Prof. Petros Bouras-Vallianatos (Universität Athen): Byzantinische Medizin und Pharmakologie 
  • Prof. Stavroula Constantinou (Universität Zypern): Byzantinische Literatur, Frauengeschichte, Gender Studies
  • Dr. Isabel Grimm-Stadelmann (Ludwig-Maximilians-Universität München; Bayerische Akademie der Wissenschaften): Byzantinische Medizin
  • Prof. Basema Hamarneh (Universität Wien): Spätantike und byzantinische Archäologie
  • Dr. Zubin Mistry (Universität Edinburgh): Mittelalterliche Geschichte, Geschichte der Abtreibung im westlichen Mittelalter
  • Dr. Grace Stafford (Universität Wien): Spätantike und byzantinische Archäologie
  • Dr. Milan Vukašinović (Universität Uppsala): Byzantinische Geschichte und Literatur, Gender Studies.

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