
Mitarbeiter:innen: Ivana Dobcheva (ÖNB/ACDH: TEI) und Veronika Drescher (ÖNB: TEI), Christian Gastgeber (IMAFO-Byzanzforschung: griechische Handschriften), Katharina Kaska (ÖNB: Koordination), Marianne Rozsondai (OSzK: Einbände), Friedrich Simader (ÖNB: Provenienzgeschichte), Maria Theisen (IMAFO-Schrift- & Buchwesen: Kunstgeschichte), Edina Zsupán (OSzK: lateinische Handschriften)
Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt der Österreichischen Nationalbibliothek, der Széchényi-Nationalbibliothek und den Abteilungen Schrift- und Buchwesen sowie Byzanzforschung des IMAFO entstand aus der Zusammenarbeit am Projekt Mitteleuropäische Schulen IX (VII). Neben neuen philologischen und kunsthistorischen Handschriftenbeschreibungen werden auch die Wege der Bände in die heutige ÖNB neu bewertet. Als erster Schritt wurden alle Handschriften aus der Bibliotheca Corviniana und ihrem Umfeld in der ÖNB digitalisiert und über den Onlinekatalog zugänglich gemacht.
Die Bibliotheca Corvina entstand unter dem ungarischen König Matthias Corvinus (1443-1490) als eine der ersten königlichen Renaissance-Bibliotheken nördlich der Alpen und zählt zu den bedeutendsten Büchersammlungen ihrer Zeit. Seit 2005 ist sie Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Die Gruppe der in Wien befindlichen „Corvinen“ deckt die gesamte Bandbreite von eigens für den König geschaffenen Prachtausgaben bis hin zu vorproduzierten und antiquarisch erworbenen Handschriften ab. Die Codices erlangten nicht zuletzt aufgrund ihrer Buchmalereien und kunstvoll verzierten Einbände, deren Renaissance-Stil schlichtweg zum ästhetischen Ausdruck humanistischer Bildung geworden war, besondere Berühmtheit. Auch inhaltlich spiegelt sich die Ausrichtung auf den Humanismus in der Sammlung wider. Neben berühmten Kirchenvätern wie Hieronymus oder Augustinus, sind es Werke der antiken Klassiker, die ihren Weg in die Bibliothek fanden. Herausragend ist die Sammlung griechischer Handschriften mit Texten aus der Antike und dem byzantinischen Reich, die die erste ihrer Art nördlich der Alpen war. Nach Matthias‘ Tod bestand die Bibliothek noch einige Jahrzehnte weiter, bevor sie im Zuge der Osmaneninvasion im 16. Jahrhundert größtenteils zerstört und zerstreut wurde. Schon zuvor waren einzelne Handschriften jedoch in die Hände humanistischer Gelehrter gelangt und so der Vernichtung entgangen. (Katharina Kaska/Maria Theisen)