Sprache, Text und Schrift


Im Mittelpunkt des sprach- und literaturgeschichtlichen Schwerpunktes der Byzanzforschung stehen die Erforschung des byzantinischen Sprachgutes sowie seiner Entwicklung und die kritische Edition byzantinischer Texte in Verbindung mit der Handschriftenkunde.

Neben der Erfassung und Erschliessung des byzantinischen Wortgutes im Lexikon zur byzantinischen Gräzität werden auch methodisch neue Wege begangen, indem Aspekte der historischen Soziolinguistik in die Interpretation byzantinischer Texte einfliessen. Gattungsspezifisch stehen die byzantinische Dichtung (1081–1204) und byzantinische Epigramme (mit Edition eines Gesamtcorpus von Epigrammen auf Kunstobjekten) im Mittelpunkt.

Die Editionsprojekte des Forschungsschwerpunktes gliedern sich in Arbeiten zu dokumentarischen Texten (Kanzleiprodukte der Kaiser und Patriarchatskanzlei, darunter auch die Dokumente des Patriarchatsregisters von Konstantinopel [PRK]) und zu literarischen Texten des Nikephoros Kallistu Xanthopulos (Historia ecclesiastica), des Philippos Monotropos (Dioptra), des Chronicon Paschale und der metrischen Psalmenmetaphrase des Manuel Philes. Die Editionen nehmen die neue Forschungstendenz der „audience relevance“ auf: Berücksichtigung der Textgestaltung entsprechend der byzantinischen Interpunktion (Stixis) auf der Basis der Handschriften.

Als Zentrum für Paläographie der Wiener Schule setzt der Forschungsschwerpunkt weiters die Arbeit an Kopisten und Schrift/Buchkultur fort, insbesondere zum Bestand der griechischen Handschriften an der Österreichischen Nationalbibliothek. In Fortsetzung bzw. Erweiterung zu den Basiswerken über die griechischen Schreiber (Repertorium der griechischen Kopisten) wird der soziokulturelle Aspekt von Schrift und Buch in der byzantinischen Gesellschaft analysiert (prosopographische Paläographie), damit einhergehend ist auch die Frage der literarischen Ausbildung und Lesekultur in Byzanz, etwa im Fall der Überlieferung der Werke des Demosthenes. Zurückgehend auf ein wegweisendes EU-Projekt zu den griechischen Palimpsesten (Rinascimento Virtuale) hat die Wiener Forschung eine führende Rolle in der griechischen Palimpsestforschung übernommen. Unter Anwendung neuester technischer Methoden werden bislang unlesbare Texte (bzw. Varianten) aus der Österreichischen Nationalbibliothek, insbesondere zu den neu aufgefundenen Fragmenten der Scythica Vindobonensia des Dexippos, für eine Publikation aufbereitet.