Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (2013–2019)
Das Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (IKM) ging mit 1. Jänner 2013 aus der Kommission für Kunstgeschichte und der Kommission für Musikforschung hervor. Die Direktion übernahmen zwei langjährige Mitarbeitende der ÖAW – der Kunsthistoriker Werner Telesko (2013–2017) und die Musikwissenschaftlerin Barbara Boisits (2018–2019, interimistisch).
Bereits in der Vergangenheit hatten beide vormals unabhängige Forschungseinrichtungen erfolgreich gemeinsame Projekte zur Geschichte von bildender Kunst und Musik in Österreich und Zentraleuropa durchgeführt. An dieser Stelle setzte die Arbeit des neuen Instituts an, um inhaltliche Synergien in Richtung einer inter- und transdisziplinären Grundlagenforschung auszubauen. Einige der Forschungsvorhaben waren dezidiert abteilungsübergreifend (u. a. zur Repräsentationsforschung und Wissenschaftsgeschichte) formuliert. Daneben wurden fachspezifische Großprojekte fortgeführt – wie jene zur Wiener Hofburg und zur mittelalterlichen Glasmalerei, die Editions- und Dokumentationsunternehmungen zu mittelalterlichen Musik- und Liturgiequellen und zu einigen der bedeutendsten österreichischen Komponisten (Johann Joseph Fux, Franz Schubert, Anton Bruckner, Johannes Brahms und Anton Webern) sowie die Onlineversion des Österreichischen Musiklexikons.
Zum 1. Jänner 2020 wurde das IKM aufgelöst. Die bisherige Abteilung Kunstgeschichte bildet nunmehr einen Forschungsbereich am Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes, die Abteilung Musikwissenschaft ist hingegen Teil des Austrian Centre for Digital Humanities.
Kommission für Musikforschung (1944–2012)
Bereits mit der 1849 erfolgten Wahl von Raphael Georg Kiesewetter zum korrespondierenden Mitglied (k. M.) wird das Interesse der Akademie an der Musikforschung dokumentiert. Ihm folgten bis zum Ende der Monarchie nur Charles Edmond Henri de Coussemaker und Otto Jahn, die 1862 ebenfalls zum k. M. gewählt wurden. Mit der Einsetzung der Phonogrammarchivs-Kommission 1899 wurde die erste (auch) musikwissenschaftlich arbeitende Forschungsabteilung der ÖAW gegründet. (Vom heutigen Phonogrammarchiv spaltete sich 1972 eine seit 1999 als eigenes Institut für Schallforschung bestehende Kommission ab.) 1919 wurde Robert Lach als erster Musikwissenschaftler im modernen Sinn zum k. M. gewählt. 1921–1938 bestand eine eigene Kommission zur Herausgabe der in den Kriegsgefangenenlagern aufgenommenen Gesänge und Texte, in der Lach mitwirkte.
1944 beschloss man die Errichtung der Kommission für Musikforschung, die zunächst als Zentralstelle für die Schubert-Forschung konzipiert war. Nach Kriegsende wollte man sich der Herausgabe von Materialien zur Geschichte der Musik in Wien zuwenden, beschloss aber dann 1946 die Erstellung eines bio-bibliographischen Lexikons für Österreich. Verschiedene Umstände verhinderten die Umsetzung dieses Vorhabens, das erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit dem Österreichischen Musiklexikon realisiert werden konnte. Ab 1961 war die Kommission durchgehend personalführend, wobei es zu einem Anstieg der Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen kam (zuletzt 19). Auch die Zahl der Kommissionsmitglieder stieg im Laufe der Zeit an, von acht 1944 bis zuletzt zwölf im Jahr 2012.
Die Kommission für Musikforschung entwickelte sich im Laufe der Zeit zur wichtigsten außeruniversitären Forschungseinrichtung des Faches Musikwissenschaft in Österreich. Ihre Arbeit konzentrierte sich v. a. auf die österreichische Musiküberlieferung und Musikgeschichte in zentraleuropäischer Perspektive. Das zentrale Betätigungsfeld umfasste zunächst die umfangreichen Vorarbeiten zur Erstellung des Österreichischen Musiklexikons, das 2002–06 fünfbändig erscheinen konnte und seit 2002 auch online verfügbar ist.
Bis 2006 war das von der ÖAW 1978 mitbegründete Anton Bruckner Institut Linz – ABIL eng mit der Kommission für Musikforschung verwoben. Nach Auslaufen der Kooperation 2007 wurde eine eigene Bruckner-Arbeitsstelle an der Kommission installiert, womit auch die Voraussetzungen für das heutige Anton Bruckner-Lexikon online sowie die umfangreiche Komponistenplattform Bruckner online geschaffen wurden.
Die 1989–94 bestehende Kommission für Kunst- und Musiksoziologie war eine von der Kommission für Musikforschung unabhängige Einrichtung der ÖAW; gleichwohl gab es Akademiemitglieder, die in beiden Kommissionen mitwirkten.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erfolgte die Anbindung mehrerer Gesamtausgaben-Projekte an die Kommission für Musikforschung: Die seit 1978 an der ÖAW angesiedelte Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe (Kooperation mit der Universität Tübingen) wurde 2006 in die Kommission integriert. 2008 konnte hier die neue Ausgabe Johann Joseph Fux – Werke begonnen werden. Es folgten 2008–2020 die Wiener Arbeitsstelle der Anton Webern Gesamtausgabe (Kooperation mit der Universität Basel) und 2011 die Wiener Arbeitsstelle der Johannes Brahms Gesamtausgabe (Kooperation mit der Universität Kiel).
Zwischen 2007 und 2013 wurde das Projekt Musik – Identität – Raum durchgeführt. Teils parallel zu diesem Arbeitsschwerpunkt, teils im Anschluss hieran wurden Forschungsvorhaben zur Musik in habsburgischer Repräsentation, zu wissenschaftsgeschichtlichen und musikikonographischen Fragestellungen, zu audiovisuellen Medien bzw. im Dienste der Quellenerschließung durchgeführt.
Die Kommisson war 2006–2012 dem vormaligen Zentrum Kulturforschungen – einem losen Zusammenschluss verschiedener Organisationseinheiten innerhalb der Philosophisch-historischen Klasse der ÖAW – zugeteilt und fungierte 2013–2019 als eine von zwei Abteilungen des neu gegründeten Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen.
Kommissionsobleute:
- 1944–1946: Dietrich von Kralik-Meyrswalden
- 1946–1974: Erich Schenk
- 1974–1981: Franz Grasberger
- 1981–1998: Othmar Wessely
- 1998–1999: Franz Födermayr
- 1999–2006: Rudolf Flotzinger
- 2006, März – Oktober: Birgit Lodes (interimistisch)
- 2006–2012: Gernot Gruber
Stellvertretende Kommissionsobleute:
- 1974–1981: Othmar Wessely
- 1981–1992: Theophil Antonicek
- 1993–1998: Hans-Dieter Klein
- 1998–1999: Rudolf Flotzinger
- 1999–2005: Franz Födermayr
- 2005–2012: Birgit Lodes
Wissenschaftliche Leiter des Anton Bruckner Instituts Linz an der ÖAW:
- 1978–1981: Franz Grasberger
- 1982–1998: Othmar Wessely
- 1998–2006: Theophil Antonicek
Stellvertretende wissenschaftliche Leiter des Anton Bruckner Instituts Linz an der ÖAW:
- 1988–2000: Uwe Harten
- 2000–2006: Moritz Csáky
