Wien wird, wie viele andere Städte der Gegenwart, oftmals durch seine „Sehenswürdigkeiten“ wahrgenommen. Sowohl in gedruckter Form als auch in Online-Formaten werden Rankings sehenswerter Gegenstände, Bauten und Plätze aufgestellt, Routen für deren effiziente Besichtigung entworfen und festgeschrieben, was als “Must-See” unumgänglich gilt. Ähnliche subjektive Klassifizierungen spezifischer Plätze Wiens als sehens- bzw. erinnerungswürdig finden sich bereits in der Frühen Neuzeit, nämlich in Form früher Reisehandbücher, die sowohl ausländischen Gästen als auch ansässigen Bewohner:innen „Merkwürdigkeiten“ der damaligen Stadt – also Orte, denen Raum im kulturellen Gedächtnis zugesprochen wurde – empfahlen. So verfasste beispielsweise Franz de Paula Gaheis eine Beschreibung der auffallendsten Merkwürdigkeiten der Haupt- und Residenzstadt Wien (1793), Joseph Edler von Kurzböck eine „Beschreibung aller Merkwürdigkeiten Wiens: Ein Handbuch f. Fremde u. Inländer“ (1779), Jean Thedor Gontier de Faifve einen Almanach von Wien zum Dienste der Fremden, oder historischer Begriff der anmerkungswürdigsten Gegenstände dieser Hauptstadt (1774) oder Fidelis das Werk Vier Wochen in Wien: Ein Taschenbuch für Fremde, die mit dem geringsten Aufwand von Zeit und Geld Wien und seine vorzüglichsten Merkwürdigkeiten kennen lernen wollen (1827).

Das von der Stadt Wien geförderte Projekt untersucht solche historischen Wahrnehmungen Wiens, indem es Reisehandbücher des 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit digitaler Textanalyse und GIS-basierten Methoden kombiniert. Ziel ist es, subjektive Eindrücke von Plätzen Wiens, auf Basis empirischer textueller Belege, sowohl sichtbar als auch quantifizierbar zu machen und eine multidimensionale und multimodale “Deep Map” der frühneuzeitlichen Stadt zu erstellen. Auf diese Weise kann, wie Bloom und Sacramento (2017: 6) festhalten, ein tieferes Verständnis des historischen Wiens erreicht werden: “To get an understanding of an actual place, one must inhabit its multiple overlapping contradictory stories simultaneously.”

Im Einklang hiermit stellt das Projekt ein weiteres Puzzleteil für eine übergreifende “Vienna Time Machine” im Kontext der EU-Initiative Time Machine dar und ist eng mit früheren Projekten am ACDH verbunden, wie Vienna Time Machine – Corresponding digital data treasures and knowledge resources und Visiting Vienna – digitale Ansätze zur (semi-)automatischen Analyse der Ankunftslisten im Wien[n]erischen Diarium.

Projektleitung

Nina C. Rastinger

Kontakt

Nina C. Rastinger

Finanzierung

Stadt Wien

Projektlaufzeit

10/2023–03/2025

Links

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Visiting Vienna

Soziale Medien

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