Die Oberkammeramtsrechnungen der Stadt Wien (1424–1768) enthalten einzigartige Informationen zur Stadtgeschichte, darunter vollständige Bürgerlisten, Ausgaben für Musiker, Sänger und Instrumentenbauer sowie Berichte zu zeremoniellen Ereignissen. Diese auf den ersten Blick primär wirtschaftshistorisch relevanten Bestände sind damit auch für die Musikgeschichtsforschung von großem Interesse.
Das vorliegende Projekt OKAR-TRANS baut auf den im Vorprojekt OKAR (Digitale Erschließung der Wiener Oberkammeramtsrechnungen) mit Transkribus erstellten Transkriptionen der etwa 150.000 Einzelseiten der Rechnungsbücher auf. Da HTR-bedingte Erkennungsfehler die Durchsuchbarkeit einschränken, zielt das Projekt auf eine automatische Nachkorrektur dieser Transkriptionen. Dazu werden mehrere KI-Modelle kombiniert: Häufige Erkennungsfehler korrigiert ein speziell trainiertes Sprachmodell direkt. Schwierigere Fälle werden durch einen mehrstufigen Abgleich mehrerer unabhängiger Transkriptionen gelöst, wobei ein auf frühneuhochdeutsche Sprache spezialisiertes Modell als abschließende Entscheidungsinstanz fungiert. Personen, Orte und andere Entitäten werden automatisch erkannt und ausgezeichnet. Die Qualität des Gesamtprozesses sichert ein „Critical-Expert-in-the-Loop“-Verfahren, das menschliche Validierung durch wissenschaftliches Fachpersonal einschließt.
Die Projektwebsite wird mit erweiterten Suchfunktionen ausgebaut, die auch fehlertolerante Anfragen unterstützen (Fuzzy- und Semantische Suche). Die Daten werden über das ACDH-Repositorium ARCHE langzeitarchiviert und über Kulturpool sowie Europeana zugänglich gemacht. Die im Projektverlauf verbesserten HTR-Modelle stehen der Transkribus-Community für vergleichbare Projekte zur Verfügung und erschließen diese bedeutenden Quellen zur Wiener Stadtgeschichte einem breiteren Publikum.


Wiener Stadt- und Landesarchiv (MA 8)
BMWKMS | Programm „Digitale Transformation“
05/2026–12/2026