Das Projekt Englisch als Lingua Franca in transienten Gruppen (ELF in TIGs) hat das Ziel, einen umfassenden konzeptionellen, methodischen und deskriptiven Rahmen für die Untersuchung der Kommunikation in transienten Lingua-Franca-Kontexten zu schaffen, d.h. in Situationen, die zu kurzlebig, flüchtig oder instabil sind, um als Praxisgemeinschaften betrachtet zu werden. Es geht um die systematische empirische Beschreibung, wie sich die Kommunikation in der Interaktion in verschiedenen ELF-Kontexten und in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen im Laufe der Zeit entwickelt.

Das Projekt stützt sich auf ethnografische Methoden zur Datenerhebung (Videoaufzeichnung von natürlich vorkommenden gesprochenen ELF-Interaktionen, detaillierte orthografische Transkription, Interviews) und kombiniert Korpuslinguistik, interaktionale Soziolinguistik, Gesprächsanalyse, Pragmatik und Diskursanalyse. Es entwickelt einen mikro-diachronischen Ansatz für die Analyse von (gesprochener) Interaktion, um detailliertere empirische Beschreibungen darüber zu liefern, wie sich Sprache in Gruppen von Sprecher:innen in Echtzeit-Interaktionen verändert. Dieser innovative methodische Ansatz wird verwendet, um lexikalische und pragmatische Prozesse in TIGs zu analysieren, wie z.B. situative/gruppenspezifische mehrsprachige Praktiken oder lexikalische Akkommodation (Kreativität, Konvergenz, Divergenz). Der Einsatz von qualitativer Datenanalysesoftware und Korpustechnologien auf detaillierten Transkripten ermöglicht es, die Entstehung und Entwicklung verschiedener kommunikativer Praktiken in ELF-Interaktionen in Echtzeit (d. h. mikrodiachron) systematisch zu verfolgen und visuell darzustellen.

Die mikro-diachrone Methodik wird im Rahmen des Projekts auf verschiedene ELF-TIG-Datensätze angewandt, getestet und feinabgestimmt. Einige Analysen werden an Sprachereignissen durchgeführt, die verschiedene TIGs in Vienna-Oxford International Corpus of English (VOICE) repräsentieren, aber ELF-TIG Daten wurden auch speziell für das Projekt in einem mehrsprachigen Co-Working Space in Wien aufgenommen. Auf der Grundlage dieser Daten werden die Prinzipien der mikro-diachronen Analyse im Laufe des Projekts systematisch auf verschiedene TIG-Interaktionen ausgeweitet.

Zusätzlich zu den mikro-diachronen Analysen wird im Rahmen des Projekts ein umfassender Rahmen für TIGs entwickelt, der zur Systematisierung von mehrsprachigen/lingua franca-Kontexten verwendet werden kann. Wesentliche TIG-Parameter des Rahmens werden als konzeptionelle Werkzeuge und Kategorien für eine Meta-Analyse von ELF-Publikationen dienen. Dies könnte erste Aussagen über die Bedeutung verschiedener (sozio-)linguistischer und pragmatischer Prozesse in verschiedenen Phasen der Gruppenentwicklung und verschiedener Arten von ELF-TIGs ermöglichen.

Sobald die Methodik und die Parameter des TIGs-Rahmens spezifiziert und besser etabliert sind, könnten sie von Wissenschaftler:innen angewandt werden, um die Kommunikation in einem breiten Spektrum von Situationen mit vorübergehendem Sprachkontakt zu konzeptualisieren und zu beschreiben, die über die Verwendung des Englischen als Lingua franca hinausgehen. Mikro-diachrone Porträts und detaillierte Analysen von Gruppeninteraktionen, die im Rahmen des ELF in TIGs-Projekts durchgeführt werden, könnten somit neue Wege für die Untersuchung von Variation und Wandel in der Soziolinguistik und Pragmatik eröffnen.

Das Projekt ELF in TIGs wird vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF im Rahmen der Elise-Richter-Förderung unterstützt.

Projektleitung

Marie-Luise Pitzl-Hagin, Johannes Kepler Universität Linz | Abteilung für Sprachlehr- und -lernforschung Englisch

Kontakt (ACDH-CH)

Tanja Wissik

Finanzierung

FWF 10.55776/V747

Project duration

10/2019–10/2022

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