Online-Publikation im österreichischen Handschriftenportal manuscripta.at


Projektbeginn: 2021

Projektende: 2022

Stadt Wien-Projekt
Projektleitung: Dr. Christine Glaßner
Mitarbeiterin: Dr. Katharina Hranitzky

Vier überaus reich illustrierte Kompendien zur Kriegstechnik, eine Geschichte der Königin von Frankreich mit einer Reihe exquisiter Miniaturen, eine Chronik Kaiser Sigismunds mit einem Bilderzyklus von rund 250 Federzeichnungen, eine Sammlung medizinischer Texte mit ungewöhnlichen Planetenbildern oder liturgische Bücher mit originellem, motivreichem Initial- und Rankendekor: Mit diesen und zahlreichen weiteren illuminierten Handschriften, die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Österreich und im restlichen deutschsprachigem Raum entstanden, verwahrt die Österreichische Nationalbibliothek in Wien ein besonders bedeutendes Konvolut an historischen Bücherschätzen. Es handelt sich bei diesen Bänden nicht nur um kostbare materielle Objekte, sondern vor allem um einmalige, unersetzliche Kulturgüter, deren Wert für die Erforschung der Geschichte der Buchproduktion, der Religionsausübung, der Textüberlieferung, des Kunstbetriebs, des Ideentransfers, ja der politischen und sozialen Veränderungen im spätmittelalterlichen Österreich nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Nicht zuletzt gibt dieser spezielle Bestand einen überaus spannenden Einblick in die Entwicklung und Zusammensetzung adeliger, gelehrter und monastischer Bibliotheken der Stadt Wien des Spätmittelalters und erlaubt es insbesondere, die Sammelstrategien der Habsburgischen Herrscher und ihrer Wiener Hofbibliothekare abzulesen.

Die jahrelange, von namhaften Handschriftenexperten auf sehr hohem wissenschaftlichem Niveau durchgeführte Forschungsarbeit zu 180 Handschriften aus diesem inhaltlich und künstlerisch einzigartigen Wiener Bücherbestand konnte bislang nicht veröffentlicht werden. Die bedeutenden Erkenntnisse, die im Zuge dieser intensiven Forschungsarbeit gewonnen wurden, bieten jedoch für das internationale wissenschaftliche Fachpublikum unverzichtbares Material für vertiefende Forschungen (vor allem in den Bereichen Kodikologie, Paläographie, Philologie, Geschichte, Einbandkunde und Kunstgeschichte) und bereiten für die interessierte Öffentlichkeit eine Fülle bisher wenig bekannter und untersuchter Quellen zur spätmittelalterlichen Stadt- und Kulturgeschichte auf.

Diese Forschungsergebnisse werden nun sorgfältig überarbeitet und digital und open access einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Plattform dafür ist das österreichische Handschriftenportal manuscripta.at, das die Möglichkeit der Publikation von Text- und Bildmaterial, die unkomplizierte Verknüpfung mit Vergleichshandschriften und weiteren Materialien sowie detaillierte Suchmöglichkeiten bietet.