Das Wiener Salonblatt war im Wien der Jahrhundertwende ein äußerst beliebtes illustriertes Wochenmagazin. Es erschien durchgehend von 1870 bis 1938 und zeichnete sich inhaltlich vor allem durch Kurznachrichten aus. Diese wurden von Leserinnen und Lesern eingesendet, waren zumeist nur wenige Sätze lang und stammten überwiegend von Angehörigen des in Wien verkehrenden Adels. Illustriert wurde die Zeitschrift durch ebenfalls eingesendete Lithografien und Fotografien, welche in den meisten Fällen Portraitaufnahmen darstellten. Die hochgerechnet 300.000 Kurznachrichten und 20.000 Abbildungen dienten weniger der reinen Information als dem gesellschaftlichen Austausch und der medialen Selbstdarstellung. Diese Art der Kommunikation ist vergleichbar mit heutigen Postings auf digitalen Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram. Damit fungierte das Wiener Salonblatt nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern ebenfalls als Kommunikationsplattform.

Das von der Stadt Wien geförderte Projekt untersucht das im Wiener Salonblatt abgedruckte Bildkorpus mit KI-gestützten Methoden und widmet sich drei Perspektiven:

  • die Entwicklung der Zeitschriftenillustration zwischen 1870 und 1938. Im Zentrum stehen der Übergang von Lithografien zu Fotografien sowie die in Gesellschaftsblättern verwendeten Bildmotive und deren Wandel im Untersuchungszeitraum. 
  • die visuelle Selbstdarstellung der Wiener Adelsgesellschaft, insbesondere die Entwicklung des Familienbildes in adeligen Haushalten und prägende visuelle Merkmale von Porträts (z. B. Uniformen, Schmuck, Haustiere). 
  • die kunsthistorische Perspektive mit Fokus auf Haltung und Komposition (Blickachse, Bildausschnitt, Körperhaltung), auf den Einzug des Lächelns in Porträts sowie auf mögliche Unterschiede zwischen bürgerlichen und adeligen Dargestellten.

Projektleitung

Christian Lendl

Kontakt

Christian Lendl

Finanzierung

Stadt Wien

Projektlaufzeit

11/2026–10/2027