Letzte Dinge:

Vorstellungen von Tod und Erlösung in asketischen Gemeinschaften der Spätantike und des Frühmittelalters


Vor dem Hintergrund der grundlegenden politischen Veränderungen der weströmischen Welt fanden im Verlauf des 4. Jahrhunderts eschatologische Vorstellungen breiten Eingang in die spätantike Gesellschaft. Einerseits konnten in den prophetischen Schriften des Alten und Neuen Testaments Motive und neue Deutungsmöglichkeiten der zeitgenössischen politischen Umbrüche gefunden werden – so wurden beispielsweise die Goten mit den apokalyptischen Völkern Gog und Magog (Ez 38/39 und Offb 20) gleichgesetzt. Andererseits waren eschatologische Vorstellungen und damit verbundene Überlegungen zu Tod und Erlösung wesentliche Bestandteile jener Debatte, die die konvertierte römische Oberschicht über ihre christliche Identität führte.

Das vorliegende Projekt untersucht den Umgang mit eschatologischen Themen wie dem Jüngsten Gericht oder dem letzten Kampf zwischen Gut und Böse in der spätrömischen Gesellschaft auf zwei Ebenen. Zum einen soll die intellektuelle, theologische Auseinandersetzung und politische Instrumentalisierung (bei z.B. Salvian von Marseille) näher untersucht werden. Zum anderen werden jene Bewegungen und Gemeinschaften näher betrachtet, die sich um ebenjene Erlösungsgedanken formierten. Als Ausgangsbeispiele dienen die asketischen Gründungen von Paulinus in Nola und Sulpicius Severus in Primuliacum, deren gut dokumentierter, regelmäßiger brieflicher Austausch einen seltenen Einblick in die Werte und Herausforderungen der frühen asketischen Gemeinschaften ermöglicht und gleichzeitig viel von den spirituellen Vorstellungen ihrer Gründer und von der Integration apokalyptischer Vorstellungen in einen persönlichen Lebensentwurf preisgibt. Heilige und deren Kulte als mächtige Vermittler zwischen der irdischen und der himmlischen Welt spielen dabei eine besonders wichtige Rolle.