Aristocracies between the Tides:

Identity, Navigation and Power along the Adriatic Routes


Nach den Umbrüchen des 6. und 7. Jahrhunderts war die politische Geschlossenheit des römischen Adriaraumes zerstört. Barbarische Identitäten breiteten sich in Italien und Südosteuropa aus, während Aristokratien, die mit dem Imperium assoziiert waren, sich in Enklaven an den Küsten zurückzogen. Diese erstreckten sich einem Leoparden-Muster gleich entlang der Hauptverbindungsrouten an den Ufern Dalmatiens, Istriens und Nordost-Italiens. Die Aristokratien wiesen Eigennamen, Titel und Würden, Aussehen und Lebensformen auf, die das Kaiserreich widerspiegelten und die einen deutlichen Unterschied zu ihren Nachbarn ausmachten, welche normalerweise barbarische Identitäten nutzten. Die Aristokratien mit imperialem Habitus trugen, trotz ihrer Assoziation mit Rom und Byzanz, keinen gemeinsamen Namen und lassen sich nicht anhand von ethnischen und sozialen Schemata klassifizieren, wie sie noch bis vor kurzem gebraucht wurden. Die Geschichtsschreibung richtete ihre Aufmerksamkeit daher auf einzelne Regionen anstatt den gesamten Adriaraum in den Blick zu nehmen. In ihren Erklärungsmodellen wurde die Abfolge von Römern und Barbaren im Sinne von Modellen der Eroberung und des Widerstands erklärt. Diese Konzepte sind heutzutage überholt, allerdings gibt es noch keine alternativen Deutungsversuche.

Aufgrund der Ähnlichkeiten in der Grundlage von sozialer Macht, Identität, gesellschaftlichen Normen und Ausprägungen, der Verbindungen zum Imperium sowie zum adriatischen Meer, ist es Ziel des Projektes, diese Aristokratien, die in einzelnen Hafenstädten weit entfernt voneinander wohnten, als miteinander verbundenes Ganzes zu betrachten und untersuchen: Es war Kommunikation und nicht eine gemeinsame Abstammung, die ihre Identität zementierte. Ziel des Projektes ist es daher, Ressourcen, Identitäten, gesellschaftliche Normen und Gewohnheiten dieser adriatischen Aristokratien zwischen 500 und 1000 zu untersuchen. Dabei wird die reiche literarische Landschaft des frühmittelalterlichen Adriaraums genau durchleuchtet und dabei auch Numismatik und Archäologie berücksichtigt werden.