Herrschaftsideologien und Kirchenreformen in der Welt der Karolinger


Im Karolingerreich des späten 8. und beginnenden 9. Jahrhunderts wurde eine Reihe von Reformen in Gang gesetzt, die besonders den kirchlichen und gesellschaftlichen Bereich betrafen und weitreichende Folgen haben sollten. Mit neuem Elan griff Karl der Große dabei auf frühere Bestrebungen zurück, die zum Ziel hatten, die fränkische Kirche von Grund auf zu verbessern. Seine Kaiserkrönung im Jahr 800 gab diesen Anstrengungen zusätzliche Impulse. Als Ludwig der Fromme 813 als Nachfolger seines Vaters anerkannt wurde, führte er dessen Reformbestrebungen fort und setzte dabei eigene, neue Schwerpunkte.

Das Projekt untersucht mit neuen Fragestellungen die für die karolingischen Reformen zentralen Quellen und Akteure. Es setzt sich mit neuen Interpretationsmöglichkeiten der Gründe und Entwicklungen hinter der correctio-Bewegung auseinander. Dabei beschäftigt es sich insbesondere mit den jeweiligen Motiven der einzelnen Autoren und wie diese ihren eigenen Beitrag zu den zeitgenössischen Reformen reflektieren. Die Analyse sowohl umfangreicher Textsammlungen wie der Institutio Canonicorum als auch ausgewählter Arbeiten einzelner Vordenker wie von Smaragdus von Saint-Mihiel und Benedikt von Aniane soll es ermöglichen, bisher getrennt untersuchte Aspekte der correctio-Bewegung in einen größeren, gemeinsamen Zusammenhang zu stellen. 

Ziel ist es zu zeigen, dass die Entwicklung karolingischer, herrschaftlicher Autorität zum einen von der Verbundenheit und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Hof und den monastischen Gemeinschaften bestimmt war. Zum anderen soll deutlich gemacht werden, dass der zeitgenössische Diskurs über die christlichen Ideale und Tugenden des/der Einzelnen sowie über ein christliches Imperium ebenso maßgeblich zum Reformprogramm beitrugen.

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