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Ziel dieses Projekts ist, die Entwicklung der japanischen Jenseitsvorstellungen und der entsprechenden religiösen Praktiken von den Anfängen bis in die späte Edo-Zeit nachzuzeichnen. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die buddhistischen Jenseits- und insbesondere Höllenvorstellungen gelegt werden. Diesem Aspekt japanischer Mentalitäts- und Religionsgeschichte ist, trotz einer Fülle an neu- oder besser wiederentdeckten Materialien, die ihre Bedeutung belegen, bislang von der Forschung wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden. Die häufige, oft eher programmatische denn empirisch belegte Betonung der allgemeinen Diesseitsgerichtetheit japanischer Kultur und Religionen im allgemeinen und des Shinto als Ausdruck "rein japanischer Religiosität" im besonderen, droht einerseits, den Blick auf japanische „Jenseitsspekulationen“ überhaupt zu verstellen. Andererseits ist viel darüber geschrieben worden, wie scheinbar „leicht“ der japanische Buddhismus die Hoffnung auf Wiedergeburt im Reinen Land erfüllt und wie dies ein wesentlicher Faktor bei seiner Popularisierung in der Kamakura-Zeit als einer Zeit der diesseitigen Unruhen und Plagen gewesen wäre. Dabei wurde übersehen, daß die entsprechenden Vorstellungen nur vor dem Hintergrund verbreiteter Angst vor karmischer Vergeltung Sinn machten. Die Höllenvorstellungen, die sich gleichzeitig entwickelten und ebenso bedeutend für die Verbreitung des Buddhismus waren, indem sie, ähnlich wie dies Stephen Teiser (The Scripture on the Ten Kings and the Making of Purgatory in Medieval Chinese Buddhism, 1994) für das mittelalterliche China nachwies, etwa im Rahmen des Glaubens an die Zehn Richter der Totenwelt (juo) breiteren Bevölkerungsschichten Möglichkeiten religiöser Betätigung einräumten, sind umgekehrt oft als allzu simples Mittel zur Unterweisung (und Unterdrückung) des "einfachen Volkes", mit dem der buddhistische Klerus dessen Angst vor dem Tod ausnutzte, und vor dem Hintergrund einer gängigen Sicht von Japan als einer Kultur der Scham im Gegensatz zu westlichen Kulturen der Sünde einer näheren Untersuchung kaum für wert befunden worden. Ihre sowohl in den Schriften als auch in den religiösen Praktiken belegbare Verbreitung und Vielfalt weist sie jedoch als Feld eines vielschichtigen und lebendigen Diskurses aus, in dem sowohl die religiösen Eliten als auch die Laien ihre jeweiligen Antworten auf wichtige religiöse, aber auch weltanschauliche Fragen formulierten, wie die nach Gut und Böse, Gerechtigkeit, vorrangigen sozialen Beziehungen, idealen Lebensläufen und anderem mehr, ein Diskurs, dessen Entwicklung in seinem sozio-politischen Kontext nachgezeichnet werden soll.

Bisher konzentrierten sich die Arbeiten auf eine Bestandsaufnahme der Jenseitsvorstellungen, wie sie im Rahmen volkstümlicher Praktiken wie dem etoki, der "Bilderläuterung", oder dem Pilgerwesen vorwiegend in der Edo-Zeit Verbreitung fanden, sowie auf die Analyse des Gebrauchs der Höllen-Metapher im sekulären Genre der Edo-zeitlichen Trivialliteratur.

Im Jahr 1999 wurde in diesem Zusammenhang ein internationales Symposion "Popular Japanese Views of the Afterlife" veranstaltet, das den Bogen von der vor-buddhistischen Zeit bis hin zum modernen Japan spannte. Zu dieser Veranstaltung erschien auch ein Sammelband, der alle Symposiumsbeiträge in überarbeiteter Form enthält.

Publikationen


Susanne Formanek, William LaFleur (eds.), 2004
Practicing the Afterlife: Perspectives from Japan. (BKGA 42.) Wien: VÖAW, 2004 (order online).

Projektdaten


  • Leitung und Bearbeitung: Susanne Formanek
  • Laufzeit: 1998–2013
  • Finanzierung: ÖAW