Patriarchatsregister von Konstantinopel

Teilfinanzierung: FWF-Projekt P19818 (2007–2011), P22269 (2011–2015)


Confessio fidei des Patriarchen Kallistos II. Xanthopoulos, Mai 1397, Patriarchatsregister Codex Vindob. hist. gr. 48, f. 117r
(© ÖNB; Herbert-Hunger-Bildarchiv ÖAW, IMAFO, ABF)

Die Kanzlei des Patriarchats von Konstantinopel führte ein Register, in dem Kopien der ausgefertigten bzw. originalen Urkunden aufbewahrt wurden. Die zwei davon erhaltenen Bände brachte Mitte des 16. Jahrhunderts der kaiserliche Gesandte am Hofe Süleymans II., Augerius von Busbeck, nach Wien (Österr. Nationalbibliothek, Cod. Vind. hist. 47 und 48, 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts). Ein Slavist und ein Klassischer Philologe, Franz Miklosich und Joseph Müller, gaben die Urkunden in den zwei ersten Bänden der „Acta et diplomata Graeca medii aevi“ 1860 bzw. 1862 in Wien heraus.

Da diese Edition den Ansprüchen einer modernen kritischen Ausgabe nicht genügt, initiierte Herbert Hunger bald nach 1970 eine Neubearbeitung. Unter seiner Leitung setzte sich ein Team von Byzantinisten und Rechtshistorikern mit dem Patriarchatsregister kritisch auseinander. Eine Neuedition im Rahmen des „Corpus Fontium Historiae Byzantinae“ (Series Vindobonensis), konzipiert in acht Bänden, wurde in Angriff genommen. Nach mehrjährigen Vorarbeiten erschien 1981 der erste Band des Registers des Patriarchats von Konstantinopel (PRK): Der Band umfasst neben einer kritischen Edition eine ausführliche Einleitung und Analyse der Dokumente (inkl. der darin erwähnten früheren Dokumente und Gesetze), ergänzt durch eine synoptische deutsche Übersetzung. 1995 erschien der zweite Band, 2001 der dritte Band. Band 5 und 6 wurden aufgrund der Förderung durch den Österreichischen Forschungsfonds vorgezogen (Projekte P19818, P22269) und sind zurzeit in Vorbereitung für den Druck; Band 4 folgt darauf.

Die Edition des Patriarchatsregister wurde unter die Langzeitprojekte der ÖAW aufgenommen; begleitend zu der Editionsvorbereitung entstehen vertiefende Studien (Sozialaspekte, Netzwerke, Sprachgebrauch, historische Soziolinguistik). In Zusammenarbeit mit internationalen ExpertInnen zur Geschichte des Patriarchats von Konstantinopel wurden zwei Kongresse organisiert, deren Akten bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften publiziert sind. Zudem übernimmt das Wiener Team die Herausgeberschaft eines Bandes zum Patriarchat von Konstantinopel in der Reihe „Brill’s Companion to the Byzantine World“.