Edition der Historia ecclesiastica des Nicephorus Xanthopulus

(Teilfinanzierung: FWF-Projekte P20868: 2009–2011, P24289: 2012–2016)


Porträt des Kaiser Konstantin des Großen im Codex unicus der historia ecclesiastica, Codex Vindob. hist. gr. 8, f. 158r
(© ÖNB; Herbert-Hunger-Bildarchiv ÖAW, IMAFO, ABF)

Das Projekt hat eine Neuedition der Historia ecclesiastica des Nikephoros Xanthopulos vom Anfang des 14. Jahrhunderts zum Inhalt. In dieser Kirchengeschichte, und expressis verbis im Widmungsenkomion an den Kaiser, spiegelt sich der kirchenpolitische Kurs Andronikos’ II. Palaiologos wieder: Letzterer kündigte im Jahre 1282 die in Lyon beschlossene Kirchenunion (1274) auf und wurde somit in der zeitgenössischen Panegyrik als Restaurator und Retter der Orthodoxie verherrlicht. In dieser Zeit des Aufbruches nahm sich Xanthopulos vor, die ganze Kirchengeschichte in einem Werke zu rekapitulieren, das, nach der im Prolog angekündigten Intention, bis zu seiner Zeit hätte reichen sollen. Seiner Ansicht nach fand die Orthodoxie (d. h. die rechte Auffassung des christlichen Glaubens), die in Konstantin dem Großen ihren ersten Verteidiger hatte, in Andronikos II. ihre Vollendung. Tatsächlich beschrieben ist in 18 Büchern die Zeit von der Geburt Jesu Christi bis ins Jahr 610.

Mit der kritischen Neuedition dieses Werkes wird die Erstedition, die Fronton du Duc im Jahre 1630 besorgt hat und von Jean Paul Migne in seine Patrologia Graeca übernommen wurde, kritisch revidiert.

Für das FWF-Projekt P20868 ist aus der insgesamt 18 Bände umfassenden Kirchengeschichte die mittlere Trias ausgewählt (Bücher VII–XII), die sich von der Zeit Kaisers Diokletian bis zur Regierung Theodosios I. erstreckt (284–395 n. Chr.); dieser Teil ist für die Edition in zwei Halbbände unterteilt, von denen der erste von Sebastiano Panteghini für den Druck aufbereitet ist. Das nachfolgende FWF Projekt P24289 widmet sich den letzten sechs Büchern, die die Zeit bis zum Absturz Kaisers Phokas umspannen (610 n. Chr.).

Ein innovative Aspekt liegt nicht nur in einer modernsten Anforderungen entsprechenden textkritischen Edition (für das Corpus Fontium Historiae Byzantinae), sondern auch in der Berücksichtigung der Interpunktion des codex unicus (Vind. Hist. gr. 8).

Die Edition erfolgt in Zusammenarbeit mit Albrecht Berger von der Universität München, der die Bücher 1–6 bearbeitet.