Mi, 26.01.2022 12:18

Musikmanuskripte von Franz Schubert am ISF

Das ISF beteiligt sich an der Aufarbeitung von Wasserzeichen in den Musikmanuskripten von Franz Schubert.

Franz Schubert, "Fierrabras" (D 796) Oper in drei Akten mit gesprochenen Dialogen auf ein Libretto von Joseph Kupelwieser, 1823. Autographe Niederschrift, Blatt 56 recto und 57 verso (Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, MH 9), mit einem Wasserzeichen der Papiermühle Welhartiz (Velhartice), Tschechien (Quellen: Thermographie: WZIS, handschriftliche Pause: Archivmaterial der Neuen Schubert Ausgabe).

Die zeitgemäße Aufarbeitung von Wasserzeichen in den Musikmanuskripten Franz Schuberts ist schon lange ein Desiderat. Im Rahmen des Förderprogramms Heritage Science Austria startete im Herbst 2021 das interdisziplinäre Projekt “Digitization, Recognition and Automated Clustering of Watermarks in the Music Manuscripts of Franz Schubert”, das Thermographie, maschinelles Lernen und Signalverarbeitung miteinbezieht. Mit Jänner 2022 beginnt nun auch der Projektteil am Institut für Schallforschung.

Die Erschließung der Musikhandschriften Franz Schuberts ist ein Hauptanliegen der Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe. Seit deren Anfängen in den 1960er Jahren war die Datierung eine zentrale Aufgabe, da sie ergänzende Informationen zur Geschichte der Quellen liefert. Dabei wurden nicht nur die Handschriften Schuberts, sondern auch die von ihm verwendeten Papiersorten berücksichtigt. Dank der kontinuierlichen Quellendokumentation kann die Neue Schubert-Ausgabe heute auf einen Bestand von mehr als 1.300 handschriftlichen Wasserzeichenpausen zurückgreifen.
 
So wertvoll diese Pausen auch sind, wurden einige doch unter ungünstigen Bedingungen erstellt und lassen keinen vergleichenden Überblick zu. Eine zeitgemäße digitale Visualisierung und Indizierung sind schon lange ein Desiderat. Mit modernen bildgebenden Verfahren, unter Verwendung von Thermografie, maschinellem Lernen und Signalverarbeitung, können objektivere Ergebnisse erzielt werden. Hier setzt das neue Projekt (in Kooperation mit dem Institut für Schallforschung der ÖAW) an, das sich grundlegender Ideen aus dem Bereich der Fingerabdruckerkennung bedient, wo in ähnlicher Weise versucht wird, aus einer Vielzahl an Datensets zu bestimmen, welche davon demselben Fingerabdruck zugeordnet werden können. Somit werden nicht nur bisherige Ergebnisse der Schubert-Forschung verifiziert, sondern zudem in Richtung auf ein geläufiges Anwendungsszenario – die Lücke zwischen analog und digital aufbereiteten Forschungsdaten – abstrahiert.

Das Projekt wird von einem Forschungsteam rund um Katharina Loose-Einfalt (Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe) und Günther Koliander (Institut für Schallforschung der ÖAW) an der ÖAW durchgeführt und von Andrea Lindmayr-Brandl (Leiterin Kommission für interdisziplinäre Schubert Forschung Wien, Paris-Lodron Universität Salzburg) als Supervisorin betreut. Zusätzlich konnten die Wienbibliothek im Rathaus sowie die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek als Kooperationspartner gewonnen werden, die einen großen Teil der Schubert-Handschriften aufbewahren.